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Dreimonatskoliken beim Baby

  • 18. Juli
  • 15 Min. Lesezeit

Wenn dein Baby täglich über längere Zeit schreit und sich kaum beruhigen lässt, kann das unglaublich belastend sein.

Dreimonatskoliken gehören zu den häufigsten Herausforderungen in den ersten Lebensmonaten. Obwohl sie für Eltern sehr belastend sein können, sind sie in den meisten Fällen harmlos und gehen mit der Zeit von selbst wieder vorbei. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, woran du Dreimonatskoliken erkennst, was deinem Baby tatsächlich helfen kann und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

In diesem Artikel erfährst du, welche Ursachen heute vermutet werden, welche Massnahmen wissenschaftlich sinnvoll erscheinen und wie Kinderphysiotherapie euch in dieser herausfordernden Zeit unterstützen kann.


Eltern trösten ihr Baby während einer Schreiphase bei Dreimonatskoliken.

Inhaltsverzeichnis


Was sind Dreimonatskoliken?

Dreimonatskoliken beschreiben eine Phase, in der ein ansonsten gesundes Baby über längere Zeit und scheinbar ohne erkennbare Ursache weint oder schreit. Besonders häufig treten diese Schreiphasen am späten Nachmittag oder Abend auf. Viele Eltern sprechen deshalb auch davon, dass ihr Baby jeden Abend schreit oder sich ab einer bestimmten Uhrzeit kaum mehr beruhigen lässt.

Obwohl der Begriff "Koliken" vermuten lässt, dass Bauchschmerzen die alleinige Ursache sind, weiss man heute, dass dies wahrscheinlich nicht stimmt. Moderne Studien gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenspielen. Neben der noch unreifen Verdauung scheinen auch die Entwicklung des Nervensystems, die Verarbeitung von Reizen und die individuelle Anpassung an die neue Umgebung ausserhalb des Mutterleibs eine wichtige Rolle zu spielen.

Der Begriff Dreimonatskoliken ist deshalb eigentlich etwas irreführend. Nicht jedes betroffene Baby leidet unter Bauchschmerzen, und nicht jedes Baby hat auffällige Blähungen. Manche Babys wirken vielmehr überfordert, angespannt und finden nur schwer in die Ruhe.

Etwa jedes fünfte Baby zeigt in den ersten Lebenswochen ausgeprägte Schreiphasen. Meist beginnen diese zwischen der zweiten und dritten Lebenswoche. Ihren Höhepunkt erreichen sie häufig im Alter von sechs bis acht Wochen. Bei den meisten Babys bessern sich die Beschwerden bis zum Alter von drei bis vier Monaten deutlich.

Für Eltern fühlen sich diese Wochen oft sehr lang an. Gleichzeitig ist es beruhigend zu wissen, dass sich die Situation in den allermeisten Fällen von selbst verbessert.



Woran erkennst du Dreimonatskoliken?

Nicht jedes weinende Baby hat automatisch Dreimonatskoliken. Schreien gehört zur normalen Entwicklung eines Säuglings. Babys kommunizieren auf diese Weise Hunger, Müdigkeit, Nähebedürfnis oder Unwohlsein.

Typisch für Dreimonatskoliken beim Baby sind jedoch wiederkehrende, intensive Schreiphasen, die sich nur schwer unterbrechen lassen.


Zu den häufigsten Symptomen von Dreimonatskoliken gehören:


Langes und intensives Schreien

Viele Eltern berichten, dass ihr Baby stundenlang schreit, obwohl es satt, trocken und eigentlich müde ist. Das Schreien beginnt häufig plötzlich und endet ebenso abrupt.


Schreiphasen besonders am Abend

Ein typisches Merkmal ist, dass das Baby am Abend unruhig wird. Die Schreiphasen treten oft zwischen dem späten Nachmittag und den Abendstunden auf. Tagsüber wirkt das Baby dagegen häufig deutlich entspannter.


Das Baby zieht die Beine an den Bauch

Viele Babys ziehen während des Weinens ihre Beine kräftig zum Bauch. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, dass starke Bauchschmerzen die Ursache sind. Tatsächlich kann dies auf Blähungen oder Luft im Bauch hinweisen, muss es aber nicht.


Harter oder gespannter Bauch

Manche Eltern bemerken, dass sich der Bauch ihres Babys während der Schreiphasen angespannt oder hart anfühlt. Gleichzeitig hat das Baby häufig Blähungen oder lässt vermehrt Luft ab.


Geballte Fäuste und angespannte Körperhaltung

Während einer Schreiphase spannen viele Babys ihren gesamten Körper an. Die Hände sind häufig zu Fäusten geballt, die Arme und Beine wirken steif und der Rücken kann sich leicht überstrecken.


Rotes Gesicht

Durch das intensive Schreien wird das Gesicht vieler Babys deutlich rot. Manche wirken dabei sehr angestrengt.


Schwer zu beruhigen

Ein weiteres typisches Merkmal ist, dass sich das Baby kaum beruhigen lässt. Selbst Tragen, Stillen oder Schnuller helfen oft nur kurzfristig oder gar nicht.


Ansonsten gesundes Baby

Zwischen den Schreiphasen verhält sich das Baby meist völlig normal. Es trinkt gut, nimmt ausreichend zu und entwickelt sich altersgerecht. Genau das unterscheidet Dreimonatskoliken von vielen Erkrankungen.


Die Dreierregel

Früher wurde häufig die sogenannte Dreierregel verwendet.

Von Dreimonatskoliken sprach man, wenn ein Baby:

  • mehr als 3 Stunden pro Tag schreit,

  • an mindestens 3 Tagen pro Woche,

  • über mindestens 3 Wochen hinweg.

Heute wird diese Regel deutlich kritischer betrachtet. Jedes Baby ist unterschiedlich, und nicht jedes Kind mit Dreimonatskoliken erfüllt diese Kriterien. Deshalb dient die Dreierregel heute lediglich als grobe Orientierung und nicht mehr als feste Diagnose.



Welche Ursachen haben Dreimonatskoliken?

Viele Eltern fragen sich verständlicherweise:

Warum bekommt mein Baby Dreimonatskoliken?

Die ehrliche Antwort lautet: Die Wissenschaft kennt bis heute keine einzelne Ursache. Stattdessen gehen Fachpersonen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen. Je nach Baby können diese unterschiedlich stark ausgeprägt sein.


Unreife Verdauung

In den ersten Lebenswochen entwickelt sich der Verdauungstrakt noch weiter. Darmbewegungen müssen sich erst koordinieren, Verdauungsenzyme reifen nach und auch das Zusammenspiel der Darmmuskulatur funktioniert noch nicht so effizient wie später.

Dadurch können vorübergehend Blähungen, Druckgefühle oder ein gespannt wirkender Bauch entstehen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jedes Baby starke Bauchschmerzen hat.


Mehr zum Thema Bauchschmerzen findest du in unserem Artikel: Bauchschmerzen beim Baby. Ursachen, Tipps und Hilfe.


Luft im Bauch

Viele Eltern beobachten, dass ihr Baby Luft im Bauch hat oder nach dem Trinken häufig aufstösst.

Beim Trinken gelangt immer eine gewisse Menge Luft in den Magen. Muss diese Luft erst wieder entweichen, kann dies kurzfristig unangenehm sein. Manche Babys reagieren darauf deutlich empfindlicher als andere.

Deshalb kann regelmässiges Bäuerchen machen und eine angepasste Trinktechnik hilfreich sein. Gleichzeitig erklärt Luft im Bauch allein nicht alle Fälle von Dreimonatskoliken.


Unreifes Nervensystem

Heute vermuten viele Fachpersonen, dass das noch unreife Nervensystem eine zentrale Rolle spielt.

Während Erwachsene unzählige Sinneseindrücke problemlos verarbeiten können, strömen auf ein Neugeborenes täglich unzählige neue Reize ein: Licht, Geräusche, Stimmen, Berührungen, Gerüche und Bewegungen.

Nicht jedes Baby kann diese Eindrücke gleich gut verarbeiten. Manche reagieren empfindlicher und zeigen ihre Überforderung durch langes Schreien.


Reizüberflutung

Für Erwachsene ist der Alltag meist selbstverständlich. Für ein Neugeborenes ist dagegen jeder Tag voller neuer Eindrücke. Stimmen, Licht, Geräusche, Berührungen, Gerüche oder Besuche von Familie und Freunden müssen erst verarbeitet werden.

Manche Babys reagieren auf diese Vielzahl an Reizen besonders sensibel. Gegen Abend, wenn sich viele Eindrücke angesammelt haben, scheint das Nervensystem regelrecht "voll" zu sein. Das Baby wirkt dann überfordert, findet nur schwer zur Ruhe und beginnt zu weinen. Deshalb berichten viele Eltern, dass ihr Baby jeden Abend schreit oder besonders am Abend unruhig ist.

Diese Theorie wird heute von vielen Fachpersonen als wichtiger Bestandteil von Dreimonatskoliken angesehen.


Luftschlucken beim Trinken

Beim Stillen oder beim Trinken aus der Flasche gelangt immer etwas Luft in den Magen. Manche Babys schlucken jedoch deutlich mehr Luft als andere.

Mögliche Gründe dafür sind:

  • hastiges Trinken

  • ungünstige Stillposition

  • ein ungeeigneter Flaschensauger

  • ein zu schneller Milchfluss

  • häufiges Absetzen und erneutes Andocken

Die geschluckte Luft kann den Magen spannen und dazu führen, dass dein Baby Blähungen hat, häufig aufstösst oder sich während oder nach dem Trinken unwohl fühlt.

Luftschlucken allein erklärt jedoch nicht alle Dreimonatskoliken. Es kann aber die Beschwerden zusätzlich verstärken.


Stillen oder Flaschenernährung?

Viele Eltern fragen sich, ob Stillen oder Flaschennahrung Dreimonatskoliken verursachen können.

Kurz gesagt: Nein.

Dreimonatskoliken kommen sowohl bei gestillten als auch bei flaschenernährten Babys vor.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen eine Anpassung hilfreich sein kann.

Beim Stillen lohnt es sich beispielsweise zu prüfen:

  • Saugt das Baby gut an?

  • Verschluckt es sich häufig?

  • Trinkt es sehr hastig?

  • Ist der Milchspendereflex sehr stark?


Bei der Flaschenernährung können folgende Punkte eine Rolle spielen:

  • passende Saugergrösse

  • geeignete Trinkgeschwindigkeit

  • möglichst wenig Luft in der Flasche

  • ruhige Trinkpausen

Ein routinemässiger Wechsel der Säuglingsnahrung wird heute nicht empfohlen, solange kein begründeter Verdacht auf eine Unverträglichkeit oder Allergie besteht.


Veränderungen des Darmmikrobioms

Im Darm jedes Menschen leben Milliarden nützlicher Bakterien. Diese Gemeinschaft wird Darmmikrobiom genannt.

Bei Neugeborenen entwickelt sich dieses Mikrobiom erst in den ersten Lebensmonaten. Einige Studien zeigen, dass Babys mit Dreimonatskoliken teilweise eine andere Zusammensetzung der Darmbakterien aufweisen als Babys ohne Koliken.

Ob diese Veränderungen tatsächlich die Ursache sind oder lediglich eine Begleiterscheinung darstellen, ist bisher nicht eindeutig geklärt.

Aus diesem Grund werden Probiotika zwar intensiv erforscht, können aber derzeit nicht für jedes Baby allgemein empfohlen werden.


Was weiss die Wissenschaft heute?

Noch vor einigen Jahren wurden Dreimonatskoliken hauptsächlich auf Blähungen oder Bauchschmerzen zurückgeführt.

Heute ist das Bild deutlich differenzierter.

Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken können:

  • unreifes Nervensystem

  • Entwicklung der Verdauung

  • Darmmikrobiom

  • Luftschlucken

  • individuelle Reizverarbeitung

  • Temperament des Babys

Das erklärt auch, weshalb nicht jede Massnahme jedem Baby gleich gut hilft.

Es gibt deshalb leider keine einzelne Behandlung, welche Dreimonatskoliken zuverlässig verschwinden lässt. Vielmehr geht es darum, mögliche Belastungsfaktoren zu reduzieren und sowohl das Baby als auch die Eltern bestmöglich zu unterstützen.



Was hilft bei Dreimonatskoliken?

Auch wenn es keine Wundermethode gibt, können verschiedene Massnahmen dazu beitragen, dein Baby zu beruhigen und den Alltag etwas zu erleichtern.

Nicht jede Massnahme wirkt bei jedem Baby gleich gut. Es lohnt sich deshalb, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren und herauszufinden, was deinem Kind guttut.


Tragen

Viele Babys mit Dreimonatskoliken lassen sich beim Tragen deutlich besser beruhigen.

Die aufrechte Haltung, die sanften Bewegungen und die Nähe zu einer vertrauten Person vermitteln Sicherheit. Gleichzeitig können sich verspannte Bauchmuskeln leichter entspannen und Luft im Bauch leichter entweichen.

Besonders hilfreich kann das Tragen in einer ergonomischen Tragehilfe oder einem Tragetuch sein.

Wissenschaftliche Evidenz

Die Studienlage ist begrenzt. Viele Eltern berichten jedoch von einer deutlichen Beruhigung ihres Babys.


Der Fliegergriff

Der Fliegergriff gehört zu den bekanntesten Positionen bei unruhigen Babys.

Dabei liegt dein Baby bäuchlings auf deinem Unterarm.

Der Kopf ruht nahe deiner Ellenbeuge und wird sicher gestützt. Der Bauch liegt auf deinem Unterarm, während deine Hand den Oberschenkel oder den Windelbereich hält. Der andere Arm bleibt frei, um den Rücken zusätzlich zu sichern oder sanft zu streicheln.

Durch den leichten Druck auf den Bauch können manche Babys entspannen. Gleichzeitig hilft die Position vielen Kindern dabei, Luft aus dem Bauch leichter abzugeben.

Wichtig ist:

Der Fliegergriff sollte immer ruhig, sicher und ohne Druck durchgeführt werden. Nicht jedes Baby mag diese Position sofort.

Wissenschaftliche Evidenz

Es gibt bisher keine hochwertigen Studien, welche den Fliegergriff eindeutig belegen. Aufgrund der langjährigen praktischen Erfahrung wird er jedoch von vielen Hebammen, Kinderärzten und Kinderphysiotherapeuten empfohlen.


Sanfte Bauchmassage

Eine sanfte Bauchmassage kann die Darmbewegung unterstützen und entspannend wirken.

Massiere den Bauch mit warmen Händen und nur leichtem Druck.

Bewährt haben sich kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn, da sie dem natürlichen Verlauf des Dickdarms folgen.

Wichtig ist, niemals kräftig zu drücken.

Wenn dein Baby während der Massage unruhiger wird, solltest du die Massage beenden.

Wissenschaftliche Evidenz

Die Studienlage ist insgesamt positiv, wenn auch nicht eindeutig. Einige Untersuchungen zeigen eine Verringerung der Schreidauer und eine verbesserte Entspannung.


Wärme

Wärme wird seit vielen Jahren bei Bauchbeschwerden eingesetzt.

Ein warmes Kirschkernkissen oder eine leicht angewärmte Stoffwindel können angenehm sein.

Die Wärme kann die Muskulatur entspannen und von vielen Babys als beruhigend empfunden werden.

Achte jedoch immer darauf, dass die Auflage nur angenehm warm und niemals heiss ist.

Wissenschaftliche Evidenz

Die wissenschaftliche Evidenz ist begrenzt. Aufgrund der einfachen Anwendung und des geringen Risikos wird Wärme häufig empfohlen.


Fahrradbewegungen

Viele Eltern kennen die sogenannten Fahrradbewegungen.

Dabei bewegst du die Beine deines Babys langsam und ohne Kraftaufwand abwechselnd Richtung Bauch, ähnlich wie beim Velofahren.

Diese Bewegung kann die Darmtätigkeit unterstützen und das Entweichen von Luft erleichtern.

Die Übung sollte spielerisch erfolgen und deinem Baby angenehm sein.

Wissenschaftliche Evidenz

Es existieren nur wenige hochwertige Studien. In Kombination mit anderen beruhigenden Massnahmen berichten jedoch viele Familien über positive Erfahrungen.


Bäuerchen machen

Ein Bäuerchen nach dem Stillen oder der Flasche kann überschüssige Luft aus dem Magen entweichen lassen.

Nicht jedes Baby muss nach jeder Mahlzeit aufstossen.

Wenn dein Baby jedoch häufig Luft schluckt oder nach dem Trinken unruhig wird, lohnt sich eine kurze Pause zum Bäuerchenmachen.

Auch hierbei gilt:

Ohne Druck und ohne Hast.


Eine ruhige Umgebung schaffen

Gerade Babys mit Dreimonatskoliken profitieren häufig von möglichst wenig Reizen.

Das kann bedeuten:

  • Licht dimmen

  • Fernseher ausschalten

  • ruhige Stimmen

  • wenige Besucher am Abend

  • wiederkehrende Abendrituale

Je weniger neue Eindrücke verarbeitet werden müssen, desto leichter fällt manchen Babys das Abschalten.

Wissenschaftliche Evidenz

Die Annahme passt gut zu den heutigen Erkenntnissen über die Reifung des Nervensystems. Hochwertige Studien fehlen jedoch.


Pucken – nur mit Bedacht

Das Pucken bedeutet, ein Baby eng in ein Tuch einzuwickeln.

Manche Babys fühlen sich dadurch geborgener und schlafen ruhiger ein.

Heute wird Pucken jedoch deutlich vorsichtiger empfohlen als früher.

Es eignet sich nicht für jedes Baby und sollte nur korrekt durchgeführt werden.

Besonders wichtig:

  • niemals in Bauchlage pucken

  • Hüften müssen genügend Bewegungsfreiheit haben

  • nicht zu fest wickeln

  • bei ersten Drehversuchen sofort beenden

Im Zweifel solltest du dir das Pucken von einer Hebamme oder Kinderphysiotherapeutin zeigen lassen.


Stillposition optimieren

Eine angenehme Stillposition kann dazu beitragen, dass dein Baby ruhiger trinkt und weniger Luft schluckt. Achte darauf, dass dein Baby den Mund weit öffnet und die Brust gut umfasst. Beim Stillen sollten Kopf, Schultern und Körper möglichst in einer Linie liegen, damit das Schlucken leichter fällt.

Wenn dein Baby häufig abdockt, sich verschluckt oder sehr hastig trinkt, kann eine Stillberaterin, Hebamme oder Kinderphysiotherapeutin helfen, die Stilltechnik gemeinsam zu beurteilen.

Wissenschaftliche Evidenz

Eine gute Stilltechnik verbessert zwar nicht direkt Dreimonatskoliken, kann aber Luftschlucken reduzieren und das Trinken für dein Baby angenehmer machen.


Flaschenernährung optimieren

Auch bei der Flaschenernährung können kleine Anpassungen sinnvoll sein.

Achte darauf:

  • Die Saugergrösse sollte dem Alter deines Babys entsprechen.

  • Die Milch sollte gleichmässig fliessen und nicht zu schnell herauslaufen.

  • Halte die Flasche so, dass der Sauger immer vollständig mit Milch gefüllt ist und möglichst wenig Luft enthält.

  • Gönne deinem Baby zwischendurch kleine Trinkpausen.

Falls dein Baby häufig hustet, sich verschluckt oder sehr hastig trinkt, lohnt sich eine Überprüfung der Fütterungstechnik.

Wissenschaftliche Evidenz

Eine optimierte Flaschenernährung kann Luftschlucken reduzieren. Sie stellt jedoch keine eigentliche Behandlung der Dreimonatskoliken dar.


Eltern entlasten

Dreimonatskoliken belasten nicht nur das Baby, sondern die ganze Familie.

Wenn dein Baby stundenlang schreit, kann das dich an die eigenen Grenzen bringen. Viele Eltern fühlen sich hilflos oder fragen sich, ob sie etwas falsch machen.

Dabei gilt:

Du bist nicht schuld.

Das Weinen deines Babys bedeutet nicht, dass du versagt hast.

Wenn du merkst, dass deine Kräfte nachlassen, hole dir Unterstützung.

Das kann sein:

  • dein Partner oder deine Partnerin

  • Grosseltern

  • Freunde

  • Hebamme

  • Kinderarzt

  • Mütter- oder Väterberatung

  • Kinderphysiotherapie

Bereits eine kurze Pause kann helfen, wieder neue Energie zu tanken.

Solltest du merken, dass dich das Schreien stark belastet oder wütend macht, lege dein Baby für einen Moment sicher ins Bettchen und atme kurz durch. Das ist völlig in Ordnung und schützt sowohl dich als auch dein Kind.



Was hilft wahrscheinlich nicht?

Im Internet finden sich unzählige Tipps gegen Dreimonatskoliken. Nicht alle sind jedoch sinnvoll oder wissenschaftlich belegt.


Viele Hausmittel ohne wissenschaftlichen Nachweis

Fencheltee, Kümmelwasser oder andere Hausmittel werden häufig empfohlen.

Für die meisten dieser Massnahmen gibt es jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.

Ausserdem sollten Babys in den ersten Lebensmonaten grundsätzlich nur Muttermilch oder Säuglingsnahrung erhalten, sofern der Kinderarzt nichts anderes empfiehlt.


Häufiges Wechseln der Säuglingsnahrung

Viele Eltern vermuten sofort eine Unverträglichkeit.

Tatsächlich liegt diese jedoch deutlich seltener vor, als häufig angenommen wird.

Ein häufiger Wechsel der Säuglingsnahrung kann die Verdauung zusätzlich belasten.

Eine neue Nahrung sollte deshalb nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt eingeführt werden.


Medikamente gegen Blähungen

Es gibt verschiedene frei verkäufliche Präparate gegen Blähungen.

Für viele dieser Mittel konnte bisher kein eindeutiger Nutzen bei Dreimonatskoliken nachgewiesen werden.

Bevor du Medikamente gibst, solltest du dies immer mit deinem Kinderarzt besprechen.


Probiotika

Probiotika werden seit einigen Jahren intensiv erforscht.

Einzelne Studien zeigen insbesondere bei gestillten Babys mit bestimmten Bakterienstämmen positive Ergebnisse.

Die Gesamtlage der Forschung ist jedoch noch nicht eindeutig.

Deshalb können Probiotika derzeit nicht generell für alle Babys empfohlen werden.


Jede Schreiphase als Kolik deuten

Nicht jedes weinende Baby hat Dreimonatskoliken.

Hunger, Müdigkeit, Überreizung, Wachstumsschübe oder Krankheiten können ebenfalls zu häufigem Weinen führen.

Deshalb sollte ein Baby mit anhaltenden oder ungewöhnlichen Beschwerden immer ärztlich untersucht werden.



Wann solltest du mit deinem Baby zum Kinderarzt?

Auch wenn Dreimonatskoliken meist harmlos sind, gibt es Situationen, die rasch ärztlich abgeklärt werden sollten.

Suche deinen Kinderarzt auf, wenn dein Baby:

  • Fieber hat (ab 38 °C bei Neugeborenen und jungen Säuglingen)

  • nicht trinken möchte

  • deutlich schlechter zunimmt

  • wiederholt erbricht

  • grünliches Erbrechen zeigt

  • Blut im Stuhl hat

  • ungewöhnlich schläfrig oder teilnahmslos wirkt

  • Atemprobleme hat

  • einen stark geblähten, harten Bauch entwickelt

  • schrill und ungewöhnlich hoch schreit

  • sich überhaupt nicht beruhigen lässt

  • plötzlich deutlich anders wirkt als sonst.

Vertraue deinem Bauchgefühl.

Wenn du das Gefühl hast, dass mit deinem Baby etwas nicht stimmt, ist eine ärztliche Untersuchung immer sinnvoll.

Lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig.



Wann kann Kinderphysiotherapie helfen?

Kinderphysiotherapie behandelt Dreimonatskoliken nicht als Krankheit und kann die Ursache der Koliken nicht einfach beseitigen.

Trotzdem kann sie in vielen Familien eine wertvolle Unterstützung sein.

Gerade weil verschiedene Faktoren zusammenwirken können, lohnt sich manchmal ein genauer Blick auf die Entwicklung und das Bewegungsverhalten des Babys.


Spannungen im Körper erkennen

Manche Babys wirken insgesamt sehr angespannt.

Sie überstrecken sich häufig, bevorzugen eine bestimmte Haltung oder haben Mühe, sich zu entspannen.

Eine kinderphysiotherapeutische Untersuchung kann helfen einzuschätzen, ob solche Spannungen vorliegen und ob sie möglicherweise zusätzlich zur Unruhe beitragen.


Bevorzugte Kopfhaltung beurteilen

Einige Babys drehen ihren Kopf fast immer nur auf eine Seite.

Dadurch entstehen nicht nur einseitige Belastungen, sondern manchmal auch Schwierigkeiten beim Trinken oder beim Finden einer entspannten Position.

Hier kann eine frühzeitige Beurteilung sinnvoll sein.

Mehr zum Thema Plagiozephalie findest du in unserem Artikel: Hat mein Kind eine Schädelverformung?


Trinkverhalten beobachten

Kinderphysiotherapeutinnen und Kinderphysiotherapeuten achten unter anderem auf:

  • Kopfhaltung beim Trinken

  • Körperspannung

  • Mundmotorik

  • Schluckverhalten

  • Bewegungsqualität

Manchmal lassen sich dadurch kleine Anpassungen finden, welche das Trinken angenehmer machen und Luftschlucken reduzieren können.


Handling im Alltag verbessern

Oft helfen bereits kleine Veränderungen beim täglichen Umgang mit dem Baby.

Dazu gehören beispielsweise:

  • angenehme Tragepositionen

  • beruhigende Lagerungen

  • sicheres Hochheben

  • Positionen zum Bäuerchen

  • entspannende Bewegungen

  • Unterstützung beim Fliegergriff

Das Ziel ist immer, den Alltag für Eltern und Baby einfacher zu machen.


Eltern beraten und Sicherheit geben

Für viele Familien ist die grösste Hilfe nicht eine einzelne Übung, sondern das Wissen, dass sich ihr Baby grundsätzlich normal entwickelt.

Eine ausführliche Untersuchung kann Unsicherheiten abbauen, Fragen beantworten und gemeinsam entscheiden, ob weitere Abklärungen sinnvoll sind.

Gerade in einer belastenden Zeit kann dieses Gefühl von Sicherheit eine grosse Entlastung sein.

Was sagt die Wissenschaft?

Die wissenschaftliche Evidenz zur Kinderphysiotherapie bei Dreimonatskoliken ist derzeit noch begrenzt.

Einzelne Studien deuten darauf hin, dass bestimmte physiotherapeutische Massnahmen oder eine intensive Elternberatung die Schreidauer reduzieren können. Die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich.

Deshalb geben seriöse Kinderphysiotherapeutinnen und Kinderphysiotherapeuten keine Heilversprechen.

Ziel der Behandlung ist vielmehr,

  • mögliche zusätzliche Belastungsfaktoren zu erkennen,

  • Eltern Sicherheit zu vermitteln,

  • den Alltag zu erleichtern,

  • das Handling zu verbessern und

  • die gesunde Entwicklung des Babys zu unterstützen.


Mehr zum Thema Kinderphysiotherapie findest du in unserem Artikel: Kinderphysiotherapie



Häufige Fragen (FAQ)

Wann beginnen Dreimonatskoliken?

Dreimonatskoliken beginnen meist zwischen der zweiten und dritten Lebenswoche. Die Schreiphasen nehmen häufig bis zur sechsten bis achten Lebenswoche zu und erreichen in dieser Zeit ihren Höhepunkt. Danach werden sie bei den meisten Babys langsam weniger. Jedes Kind entwickelt sich jedoch unterschiedlich. Manche Babys zeigen nur kurze Schreiphasen, während andere über mehrere Wochen intensiver betroffen sind.


Wann hören Dreimonatskoliken auf?

Die meisten Dreimonatskoliken bessern sich zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat deutlich. Mit der weiteren Reifung des Nervensystems und der Verdauung nehmen die Schreiphasen meist von selbst ab. Nur selten halten sie länger an. Sollten die Beschwerden über den vierten Lebensmonat hinaus unverändert bestehen oder sogar zunehmen, empfiehlt sich eine kinderärztliche Abklärung.


Sind Dreimonatskoliken gefährlich?

Nein. Dreimonatskoliken sind in den allermeisten Fällen nicht gefährlich. Sie können jedoch für die ganze Familie sehr belastend sein. Wichtig ist, dass dein Baby ausreichend trinkt, gut zunimmt und sich zwischen den Schreiphasen normal verhält. Treten zusätzlich Fieber, Erbrechen, Blut im Stuhl oder Trinkverweigerung auf, sollte dein Baby umgehend vom Kinderarzt untersucht werden.


Hat jedes Baby Dreimonatskoliken?

Nein. Viele Babys haben in den ersten Lebenswochen einzelne unruhige Phasen oder weinen häufiger als später. Das gehört zur normalen Entwicklung. Von Dreimonatskoliken spricht man erst, wenn die Schreiphasen deutlich ausgeprägter sind und regelmässig auftreten. Schätzungsweise ist etwa jedes fünfte Baby betroffen.


Helfen Probiotika bei Dreimonatskoliken?

Probiotika werden seit einigen Jahren intensiv untersucht. Einzelne Studien zeigen insbesondere bei gestillten Babys mit bestimmten Bakterienstämmen eine mögliche Verkürzung der Schreidauer. Die wissenschaftliche Evidenz ist jedoch noch nicht eindeutig. Deshalb werden Probiotika derzeit nicht generell für alle Babys empfohlen. Ob sie im Einzelfall sinnvoll sind, solltest du mit deinem Kinderarzt besprechen.


Muss ich meine Ernährung beim Stillen ändern?

In den meisten Fällen nein. Nur selten sind Dreimonatskoliken auf bestimmte Lebensmittel in der Ernährung der Mutter zurückzuführen. Eine vorsorgliche Einschränkung von Milchprodukten oder anderen Lebensmitteln wird deshalb nicht empfohlen. Besteht der Verdacht auf eine Kuhmilcheiweissallergie oder eine andere Unverträglichkeit, sollte dies gemeinsam mit dem Kinderarzt abgeklärt werden.


Helfen Bauchmassagen wirklich?

Eine sanfte Bauchmassage kann für viele Babys angenehm sein und die Entspannung fördern. Zudem kann sie die Darmbewegung unterstützen und das Entweichen von Luft erleichtern. Wissenschaftliche Studien zeigen teilweise positive Effekte, die Ergebnisse sind jedoch nicht eindeutig. Wichtig ist, die Massage immer sanft und ohne Druck durchzuführen. Reagiert dein Baby unruhig oder weint stärker, solltest du die Massage beenden.


Wann ist es kein normales Schreien mehr?

Alle Babys weinen. Das gehört zur normalen Entwicklung. Wenn dein Baby jedoch täglich über mehrere Stunden schreit, sich kaum beruhigen lässt oder zusätzlich Fieber, Erbrechen, Trinkprobleme oder eine schlechte Gewichtszunahme auftreten, sollte eine kinderärztliche Untersuchung erfolgen. Vertraue dabei immer auch deinem eigenen Gefühl. Du kennst dein Baby am besten.


Kann Kinderphysiotherapie bei Dreimonatskoliken helfen?

Kinderphysiotherapie kann Dreimonatskoliken nicht heilen. Sie kann jedoch dabei helfen, mögliche zusätzliche Belastungsfaktoren wie Spannungen, eine bevorzugte Kopfhaltung oder Schwierigkeiten beim Handling zu erkennen. Ausserdem erhalten Eltern praktische Tipps zum Tragen, Lagern, Beruhigen und zum Umgang mit ihrem Baby. Ziel ist es, den Alltag zu erleichtern und Eltern Sicherheit zu geben.


Sind Dreimonatskoliken wirklich Bauchschmerzen?

Nicht unbedingt. Früher ging man davon aus, dass Bauchschmerzen die Hauptursache sind. Heute weiss man, dass dies wahrscheinlich nur einen Teil der Erklärung darstellt. Viele Fachpersonen gehen davon aus, dass neben der Verdauung auch die Reifung des Nervensystems, die Verarbeitung von Reizen und die individuelle Entwicklung eine wichtige Rolle spielen. Deshalb hat nicht jedes Baby mit Dreimonatskoliken tatsächlich starke Bauchschmerzen.


Fazit

Dreimonatskoliken gehören zu den häufigsten Herausforderungen in den ersten Lebensmonaten. Auch wenn das stundenlange Weinen für Eltern sehr belastend sein kann, sind Dreimonatskoliken in den meisten Fällen harmlos und vorübergehend.

Die Forschung zeigt heute, dass wahrscheinlich mehrere Faktoren zusammenwirken. Neben der noch unreifen Verdauung spielen vermutlich auch die Entwicklung des Nervensystems, die Verarbeitung von Reizen und das individuelle Temperament des Babys eine wichtige Rolle.

Es gibt leider keine einzelne Behandlung, die Dreimonatskoliken zuverlässig verschwinden lässt. Viele Familien profitieren jedoch von kleinen Anpassungen im Alltag, einer ruhigen Umgebung, geeigneten Tragepositionen und einer einfühlsamen Begleitung.

Vor allem aber solltest du wissen:

Du hast nichts falsch gemacht.

Das häufige Weinen deines Babys ist keine Folge mangelnder Fürsorge oder fehlender Erfahrung. Mit zunehmender Entwicklung verschwinden die Schreiphasen bei den meisten Babys von selbst.

Wenn du dennoch unsicher bist oder das Gefühl hast, dass mehr hinter den Beschwerden steckt, solltest du dein Baby kinderärztlich untersuchen lassen. Eine frühzeitige Abklärung gibt Sicherheit und hilft dabei, andere Ursachen auszuschliessen.


Persönliche Unterstützung bei Dreimonatskoliken

Wenn dein Baby über längere Zeit unruhig ist, häufig schreit oder du unsicher bist, unterstützen wir euch gerne in unserer Kinderphysiotherapie.

Gemeinsam schauen wir uns die Entwicklung, das Trinkverhalten, die Körperhaltung und mögliche Spannungen an. Ausserdem zeigen wir dir alltagstaugliche Strategien, die den Umgang mit dieser herausfordernden Zeit erleichtern können.



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