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Blähungen beim Baby. Ursachen, Tipps und Hilfe.

  • 21. Juli
  • 21 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Aug.

Das Baby wirkt unruhig, zieht die Beine an, drückt, pupst viel oder beginnt plötzlich herzzerreissend zu weinen. Schnell stellt sich die Frage: Hat mein Baby Blähungen? Und noch wichtiger: Ist das normal oder steckt etwas Ernstes dahinter?

Blähungen beim Baby gehören in den ersten Lebensmonaten häufig zur normalen Entwicklung. Das Verdauungssystem ist noch unreif und muss sich erst an die neue Aufgabe ausserhalb des Mutterleibs gewöhnen. Trotzdem können Blähungen für dein Baby unangenehm sein und für dich als Elternteil belastend.

Vielleicht hast du bereits verschiedenste Tipps ausprobiert. Von Bauchmassagen über Wärmekissen bis hin zu Kümmelpräparaten, im Internet findest du unzählige Ratschläge. Doch nicht alles, was empfohlen wird, ist tatsächlich wissenschaftlich belegt oder für jedes Baby sinnvoll.


In diesem Artikel erfährst du:

  • warum Blähungen beim Baby entstehen

  • woran du sie erkennst

  • welche Massnahmen wirklich helfen können

  • wann ein Arztbesuch sinnvoll ist

  • und wie Kinderphysiotherapie euch unterstützen kann.

Unser Ziel ist es, dir Sicherheit zu geben. Denn auch wenn dein Baby häufig Blähungen hat, bedeutet das nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt.

Ein Bäuerchen nach dem Trinken kann helfen, geschluckte Luft entweichen zu lassen.

Inhaltsverzeichnis


Was sind Blähungen beim Baby?

Blähungen entstehen, wenn sich Luft oder Gase im Darm ansammeln. Diese Gase dehnen den Darm leicht aus und können ein unangenehmes Druckgefühl verursachen. Erwachsene kennen dieses Gefühl ebenfalls nach einer üppigen Mahlzeit oder kohlensäurehaltigen Getränken. Babys können diesen Druck jedoch noch nicht verstehen oder gezielt abbauen.

Blähungen sind deshalb keine Krankheit, sondern zunächst ein natürlicher Vorgang der Verdauung.

Besonders in den ersten Lebensmonaten arbeitet der Darm noch nicht so reibungslos wie später. Die Verdauung muss sich erst entwickeln und an das Trinken von Muttermilch oder Säuglingsnahrung anpassen. Gleichzeitig lernt dein Baby erst, wie es Bauchmuskeln und Beckenboden koordiniert, um Luft oder Stuhl auszuscheiden.

Dadurch kann es vorkommen, dass dein Baby zwar drücken möchte, die Muskulatur aber noch nicht optimal zusammenspielt. Es entsteht Druck im Bauch, obwohl eigentlich keine ernsthafte Erkrankung vorliegt.


Warum sind Blähungen bei Babys so häufig?

Während Erwachsene seit vielen Jahren ein ausgereiftes Verdauungssystem besitzen, beginnt dieses beim Neugeborenen praktisch bei null.

Mehrere Faktoren kommen zusammen:

  • der Darm ist noch unreif

  • die Darmbewegungen entwickeln sich erst

  • die Darmflora baut sich langsam auf

  • beim Trinken wird häufig Luft geschluckt

  • die Bauchmuskulatur muss erst lernen, richtig zu arbeiten.

Deshalb haben viele Babys besonders zwischen der zweiten Lebenswoche und dem dritten oder vierten Lebensmonat häufiger Blähungen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Baby gleich stark betroffen ist. Manche Babys pupsen viel und bleiben entspannt. Andere reagieren empfindlicher auf denselben Druck im Bauch.


Sind Blähungen gefährlich?

In den allermeisten Fällen lautet die Antwort: Nein.

Wenn dein Baby gut trinkt, regelmässig zunimmt, normal gefüllte Windeln hat und sich zwischen den unruhigen Phasen wieder beruhigt, sprechen Blähungen meist für einen normalen Entwicklungsschritt.

Wichtig ist jedoch, auf Warnzeichen zu achten. Treten zusätzlich Fieber, starkes Erbrechen, Blut im Stuhl oder eine Trinkverweigerung auf, solltest du dein Baby ärztlich untersuchen lassen. Auf diese Warnzeichen gehen wir später noch ausführlich ein.


Woran erkennst du Blähungen beim Baby?

Nicht jedes weinende Baby hat automatisch Blähungen. Hunger, Müdigkeit, Nähebedürfnis oder Überreizung können sich ganz ähnlich äussern.

Es gibt jedoch einige typische Anzeichen, die darauf hindeuten können, dass dein Baby Luft im Bauch hat.


Ein angespannter oder harter Bauch

Viele Eltern bemerken zuerst, dass sich der Bauch ihres Babys deutlich fester anfühlt als sonst.

Ein leicht gespannter Bauch nach dem Trinken ist völlig normal. Wirkt der Bauch jedoch dauerhaft aufgebläht und dein Baby scheint sich dabei unwohl zu fühlen, können Blähungen eine mögliche Ursache sein.


Dein Baby zieht die Beine an

Ein klassisches Zeichen ist das wiederholte Anziehen der Beine Richtung Bauch.

Dadurch versucht dein Baby unbewusst, den Druck im Bauch zu verändern und die eingeschlossene Luft loszuwerden.

Dieses Verhalten tritt häufig während einer Weinphase oder kurz vor dem Pupsen auf.


Häufiges Pupsen

Manche Babys pupsen erstaunlich oft.

Das allein ist noch kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil: Wenn Luft entweichen kann, ist das grundsätzlich ein gutes Zeichen.

Viele Eltern berichten sogar, dass sich ihr Baby nach einigen kräftigen Püpsern sofort wieder entspannt.


Unruhe und Weinen

Ein Baby mit Blähungen wirkt häufig:

  • unruhig

  • angespannt

  • schwer zu beruhigen

  • weint plötzlich ohne ersichtlichen Grund.

Besonders am späten Nachmittag oder Abend können diese Phasen gehäuft auftreten.

Dabei ist wichtig zu wissen:

Nicht jedes Weinen wird durch Blähungen verursacht.

Gerade in den ersten Lebensmonaten weinen Babys aus ganz unterschiedlichen Gründen. Deshalb sollte immer das Gesamtbild betrachtet werden.


Schlafprobleme

Manche Babys schlafen problemlos ein, wachen jedoch kurze Zeit später wieder auf.

Sie strecken sich, ziehen die Beine an oder beginnen zu drücken.

Die angesammelte Luft kann den Schlaf stören, obwohl das Baby eigentlich müde wäre.


Pressen und gerötetes Gesicht

Viele Eltern erschrecken, wenn ihr Baby stark presst.

Das Gesicht wird rot, die Beine werden angespannt und das Baby scheint grosse Mühe zu haben.

Oft steckt dahinter jedoch keine Verstopfung, sondern eine noch unreife Koordination zwischen Bauchmuskulatur und Beckenboden. Das Baby drückt, spannt gleichzeitig aber den Beckenboden an.

Dieser Entwicklungsprozess ist in den ersten Lebensmonaten völlig normal.


Baby hat Luft im Bauch, aber wirkt sonst zufrieden

Nicht jedes Baby mit Blähungen leidet darunter.

Einige Babys haben zwar hörbare Darmgeräusche oder pupsen häufig, trinken aber gut, schlafen ausreichend und entwickeln sich altersgerecht.

In diesen Fällen besteht meist kein Grund zur Sorge.

Entscheidend ist deshalb immer:

  • Wie wirkt dein Baby insgesamt?

  • Trinkt es ausreichend?

  • Nimmt es gut zu?

  • Lässt es sich zwischen den Phasen wieder beruhigen?

Diese Fragen sind oft aussagekräftiger als die Blähungen selbst.



Warum hat mein Baby Blähungen?

Blähungen gehören bei vielen Babys zur normalen Entwicklung. Das Verdauungssystem muss nach der Geburt erst lernen, Nahrung effizient zu verarbeiten. Gleichzeitig verändert sich der Darm in den ersten Lebensmonaten ständig. Es entwickeln sich neue Darmbakterien, die Darmbewegungen werden koordinierter und auch das Trinken will erst gelernt sein.

Meist kommen mehrere Ursachen gleichzeitig zusammen. Deshalb gibt es selten die eine Ursache für Blähungen.


Unreife Verdauung

Die häufigste Ursache für Blähungen beim Baby ist eine noch unreife Verdauung.

Während der Schwangerschaft wurde dein Baby über die Plazenta versorgt. Nach der Geburt übernimmt plötzlich der Darm eine völlig neue Aufgabe: Er muss Muttermilch oder Säuglingsnahrung verdauen und dabei Nährstoffe aufnehmen.

Diese Umstellung braucht Zeit.

In den ersten Lebensmonaten arbeitet der Darm deshalb noch nicht so gleichmässig wie später. Nahrung wird unterschiedlich schnell transportiert und bei der Verdauung entstehen Gase. Gleichzeitig ist die Darmbewegung noch nicht perfekt koordiniert.

Dadurch kann sich Luft vorübergehend im Darm sammeln.

Die gute Nachricht ist, dass sich dieser Prozess mit zunehmendem Alter meist von selbst verbessert. Bei vielen Babys nehmen die Beschwerden nach etwa drei bis vier Monaten deutlich ab.


Luftschlucken beim Trinken

Ein weiterer häufiger Grund ist das Schlucken von Luft während des Trinkens.

Jedes Baby schluckt beim Stillen oder beim Trinken aus der Flasche eine gewisse Menge Luft. Normalerweise gelangt ein Teil davon durch ein Bäuerchen wieder nach draussen.

Bleibt jedoch mehr Luft im Magen oder Darm zurück, können Blähungen entstehen.

Besonders viel Luft wird geschluckt, wenn:

  • das Baby sehr hastig trinkt

  • häufig unterbrochen wird

  • beim Saugen Luft zwischen Mund und Brust oder Sauger eindringt

  • das Baby während des Weinens trinkt

  • der Sauger nicht optimal zur Trinktechnik passt.

Ein gutes Anlegen beim Stillen oder ein passender Flaschensauger kann deshalb helfen, unnötiges Luftschlucken zu reduzieren.


Stillen und Blähungen

Verursacht Muttermilch Blähungen?

Muttermilch ist die natürliche Nahrung für Babys und verursacht grundsätzlich keine Blähungen.

Dennoch berichten manche Eltern, dass ihr Baby nach dem Stillen unruhiger wirkt. Dafür gibt es verschiedene mögliche Erklärungen.

Zum einen trinken manche Babys sehr schnell und schlucken dabei mehr Luft.

Zum anderen verändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch während einer Mahlzeit. Zu Beginn enthält sie mehr Flüssigkeit, später steigt der Fettgehalt an. Ein sehr unruhiges Trinkverhalten kann dazu führen, dass Babys überwiegend die vordere Milch aufnehmen und häufiger trinken möchten. Dadurch kann wiederum mehr Luft geschluckt werden.


Spielen Lebensmittel der Mutter eine Rolle?

Dieses Thema sorgt immer wieder für Unsicherheit.

Viele stillende Mütter verzichten vorsorglich auf Kohl, Zwiebeln, Hülsenfrüchte oder scharfe Gewürze, weil sie befürchten, ihr Baby könnte dadurch Blähungen bekommen.

Die wissenschaftliche Evidenz dafür ist jedoch begrenzt.

Die Gase, die beim Verdauen solcher Lebensmittel im Darm der Mutter entstehen, gelangen nicht über die Muttermilch zum Baby.

Nur in seltenen Fällen reagieren Babys empfindlich auf bestimmte Bestandteile der Ernährung der Mutter, beispielsweise bei einer Kuhmilcheiweissallergie. Diese ist jedoch deutlich seltener als vermutet und geht meist mit weiteren Symptomen wie Hautveränderungen, Blut im Stuhl oder ausgeprägten Verdauungsproblemen einher.

Deshalb gilt:

Eine stillende Mutter sollte ihre Ernährung nicht vorsorglich stark einschränken, solange kein konkreter medizinischer Hinweis auf eine Unverträglichkeit besteht.


Blähungen nach der Flasche

Auch Babys, die Säuglingsnahrung erhalten, können Blähungen entwickeln.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Nahrung ungeeignet ist.

Oft spielen andere Faktoren eine grössere Rolle:

  • zu schnelles Trinken

  • ein ungeeigneter Sauger

  • falsche Flaschenhaltung

  • häufiges Luftschlucken.

Manchmal wird vermutet, dass eine andere Säuglingsnahrung die Beschwerden löst. Dafür gibt es jedoch nicht immer wissenschaftliche Belege.

Ein häufiger Wechsel der Nahrung ist deshalb meist nicht sinnvoll und sollte nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt erfolgen.


Zu hastiges Trinken

Ein hungriges Baby trinkt oft sehr schnell.

Je schneller getrunken wird, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass zusätzlich Luft geschluckt wird.

Typische Hinweise darauf sind:

  • hörbares Schmatzen

  • häufiges Verschlucken

  • Husten während des Trinkens

  • Milch läuft aus den Mundwinkeln

  • häufiges Abdocken beim Stillen.

In solchen Fällen kann es helfen, das Trinktempo etwas zu reduzieren und deinem Baby zwischendurch Zeit für ein Bäuerchen zu geben.


Die Darmflora entwickelt sich erst

Im Darm jedes Menschen leben Milliarden von Bakterien. Diese sogenannte Darmflora oder genauer das Darmmikrobiom unterstützt die Verdauung und übernimmt wichtige Aufgaben für die Gesundheit.

Bei einem Neugeborenen befindet sich dieses Mikrobiom jedoch erst im Aufbau.

In den ersten Lebensmonaten verändert sich die Zusammensetzung der Darmbakterien laufend. Dabei entstehen natürliche Gase, die vorübergehend zu Blähungen führen können.

Dieser Reifungsprozess ist völlig normal und gehört zur Entwicklung des Verdauungssystems.


Warum pupst mein Baby so viel?

Pupsen bedeutet, dass Luft den Darm wieder verlassen kann.

Ein Baby, das häufig Luft ablässt und sich danach entspannt, muss deshalb nicht krank sein.

Erst wenn zusätzlich starke Schmerzen, Trinkprobleme, Erbrechen, Fieber oder andere Warnzeichen auftreten, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.



Können Blähungen auch Bauchschmerzen verursachen?

Ja.

Wenn sich Luft im Darm sammelt und nicht gut entweichen kann, entsteht Druck auf die Darmwand. Dieser Druck kann unangenehm sein und dazu führen, dass dein Baby unruhig wird, weint oder die Beine anzieht.

Allerdings gilt auch hier:

Nicht jedes Baby mit Blähungen hat starke Schmerzen.

Und nicht alle Bauchschmerzen werden durch Blähungen verursacht.

Deshalb ist es wichtig, immer das gesamte Verhalten deines Babys zu betrachten und nicht jedes Weinen automatisch auf Blähungen zurückzuführen.


Mehr zum Thema Bauchschmerzen findest du in unserem Artikel: Bauchschmerzen beim Baby. Ursachen, Tipps und Hilfe.



Gibt es einen Zusammenhang mit Dreimonatskoliken?

Ja, allerdings werden diese beiden Begriffe oft verwechselt.

Früher ging man davon aus, dass Dreimonatskoliken hauptsächlich durch Blähungen entstehen. Heute weiss man, dass die Ursache wahrscheinlich komplexer ist.

Zwar haben manche Babys mit Dreimonatskoliken auch Blähungen, doch diese erklären das starke Weinen meist nicht vollständig. Vermutet wird vielmehr ein Zusammenspiel aus einer unreifen Verdauung, der Entwicklung des Nervensystems, der Reizverarbeitung und dem Temperament des Babys.

Blähungen können die Beschwerden zusätzlich verstärken, gelten nach heutigem Wissensstand aber nicht als alleinige Ursache.


Mehr dazu findest in unserem Artikel: Dreimonatskoliken beim Baby



Was hilft bei Blähungen beim Baby?

Wenn dein Baby Blähungen hat, möchtest du ihm die Beschwerden möglichst schnell erleichtern. Im Internet finden sich unzählige Tipps, von Bauchmassagen über Fencheltee bis hin zu verschiedenen Hausmitteln. Doch nicht jede Empfehlung ist sinnvoll oder wissenschaftlich gut untersucht.

Die gute Nachricht ist: Einige einfache Massnahmen können deinem Baby tatsächlich helfen, die Luft im Bauch leichter loszuwerden oder sich insgesamt wohler zu fühlen. Wichtig ist jedoch, realistische Erwartungen zu haben. Es gibt keine Methode, die Blähungen zuverlässig verschwinden lässt. Oft ist es die Kombination aus Geduld, Nähe und einigen gezielten Massnahmen, die den grössten Unterschied macht.


Wärme

Wärme gehört zu den beliebtesten Hausmitteln gegen Blähungen beim Baby.

Ein angenehm warmer Bauch kann die Muskulatur entspannen und von vielen Babys als beruhigend empfunden werden. Dadurch fällt es manchen Kindern leichter, die Luft im Darm loszuwerden.

Geeignet sind beispielsweise:

  • ein lauwarmes Kirschkernkissen

  • ein Wärmekissen speziell für Babys

  • ein vorgewärmtes Handtuch

  • der direkte Hautkontakt auf der warmen Brust eines Elternteils.


Warum hilft Wärme?

Wärme kann die Muskulatur entspannen und vermittelt Geborgenheit. Viele Eltern berichten, dass ihr Baby dadurch ruhiger wird.


Was sagt die Wissenschaft?

Für Wärme gibt es bisher nur eine begrenzte wissenschaftliche Evidenz. Dennoch wird sie häufig empfohlen, da sie einfach anzuwenden ist und bei richtiger Anwendung kaum Risiken birgt.

Wichtig: Das Wärmekissen darf niemals heiss sein. Die Haut von Babys ist sehr empfindlich und kann schnell verbrennen.


Bauchmassage

Eine sanfte Bauchmassage kann helfen, die natürliche Darmbewegung anzuregen.

Massiere den Bauch mit warmen Händen und leichtem Druck im Uhrzeigersinn. Diese Richtung entspricht dem Verlauf des Dickdarms.

Verwende bei Bedarf ein wenig Babyöl, damit deine Hände sanft über die Haut gleiten.


Warum hilft eine Bauchmassage?

Die Massage kann:

  • den Bauch entspannen

  • die Darmbewegung unterstützen

  • deinem Baby Nähe und Sicherheit vermitteln.

Viele Babys geniessen den ruhigen Körperkontakt unabhängig davon, ob dadurch tatsächlich mehr Luft entweicht.


Was sagt die Wissenschaft?

Die Studienlage ist gemischt. Einige Untersuchungen zeigen eine leichte Verbesserung der Beschwerden, andere finden keinen eindeutigen Effekt. Insgesamt gilt die Bauchmassage jedoch als sanfte und sichere Massnahme, wenn sie ohne starken Druck durchgeführt wird.


Fahrradbewegungen

Eine einfache Übung besteht darin, die Beine deines Babys langsam wie beim Velofahren zu bewegen.

Beuge dabei die Beine abwechselnd Richtung Bauch und strecke sie anschliessend wieder.

Die Bewegungen sollten ruhig und ohne Kraft erfolgen.


Warum hilft das?

Durch die Bewegung verändert sich der Druck im Bauchraum. Das kann dazu beitragen, dass Luft leichter weitertransportiert wird.

Zusätzlich bleibt dein Baby in Bewegung, was ebenfalls die natürliche Darmtätigkeit unterstützen kann.


Was sagt die Wissenschaft?

Es gibt nur wenige hochwertige Studien. Die Methode wird jedoch von vielen Kinderärzten und Kinderphysiotherapeuten empfohlen, da sie einfach, sicher und für die meisten Babys angenehm ist.


Der Fliegergriff

Der Fliegergriff gehört zu den bekanntesten Tragepositionen bei Babys mit Blähungen.

Dabei liegt dein Baby bäuchlings auf deinem Unterarm.

Der Kopf ruht nahe an deiner Ellenbeuge und wird gut gestützt. Die Beine hängen rechts und links locker nach unten. Mit deiner freien Hand sicherst du dein Baby zusätzlich.

Wichtig ist, dass dein Baby nicht durchhängt, sondern ruhig und stabil getragen wird.


Warum hilft der Fliegergriff?

Durch den sanften Druck des Bauches auf deinen Unterarm fühlen sich viele Babys wohl.

Zusätzlich profitieren viele Kinder von:

  • der Bewegung beim Tragen

  • der aufrechten Haltung

  • der Nähe zu den Eltern

  • den gleichmässigen Bewegungen beim Gehen.

Viele Babys entspannen sich dadurch sichtbar.


Was sagt die Wissenschaft?

Es gibt bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege dafür, dass der Fliegergriff Blähungen direkt reduziert.

Dennoch berichten viele Eltern und Fachpersonen, dass Babys dadurch leichter zur Ruhe kommen. Wahrscheinlich spielen dabei mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.


Tragen statt Ablegen

Manche Babys beruhigen sich deutlich schneller, wenn sie getragen werden.

Beim Tragen entstehen sanfte Bewegungen, die an die Zeit im Mutterleib erinnern können. Gleichzeitig vermittelt der Körperkontakt Sicherheit.

Besonders hilfreich können sein:

  • Tragetuch

  • ergonomische Babytrage

  • aufrechtes Tragen auf der Schulter

  • ruhiges Gehen.


Warum hilft Tragen?

Das Tragen beeinflusst zwar die Gasbildung im Darm nicht direkt, kann aber helfen, dass sich dein Baby besser reguliert und entspannt.

Ein ruhiges Baby spannt den Bauch häufig weniger stark an als ein weinendes Baby.


Ein Bäuerchen machen

Nicht jede geschluckte Luft gelangt sofort in den Darm.

Ein Teil bleibt zunächst im Magen und kann durch ein Bäuerchen entweichen.

Deshalb kann es sinnvoll sein,

  • nach dem Stillen,

  • nach der Flasche

  • oder auch zwischendurch

eine kurze Pause einzulegen.

Halte dein Baby dabei aufrecht an deiner Schulter oder sitzend auf deinem Schoss und gib ihm etwas Zeit.


Muss jedes Baby ein Bäuerchen machen?

Nein.

Manche Babys stossen kaum Luft auf und sind trotzdem völlig zufrieden.

Zwinge dein Baby deshalb nicht über längere Zeit zum Bäuerchen. Wenn nach einigen Minuten nichts kommt und dein Baby entspannt wirkt, darfst du den Versuch beenden.


Die Stillposition optimieren

Auch beim Stillen kann die Trinktechnik einen Unterschied machen.

Achte darauf, dass dein Baby:

  • den Mund weit öffnet,

  • möglichst viel Brustgewebe erfasst,

  • ruhig trinken kann

  • und möglichst wenig Luft einsaugt.

Falls das Stillen häufig schmerzhaft ist oder dein Baby ständig abdockt, kann eine Stillberaterin oder Kinderphysiotherapeutin mit Erfahrung in der Säuglingsbehandlung wertvolle Unterstützung bieten.


Den richtigen Flaschensauger verwenden

Bei Flaschenkindern lohnt sich ein Blick auf den Sauger.

Ist der Milchfluss zu schnell, trinkt dein Baby oft hastig und schluckt mehr Luft.

Ist der Milchfluss zu langsam, muss dein Baby sehr stark saugen, was ebenfalls zu vermehrtem Luftschlucken führen kann.

Ein passender Sauger sollte deshalb zum Alter und zum Trinkverhalten deines Babys passen.

Auch die Flasche sollte beim Trinken so gehalten werden, dass der Sauger vollständig mit Milch gefüllt ist. Dadurch wird verhindert, dass zusätzlich Luft angesaugt wird.


Ruhe und Reizreduktion

Gerade gegen Abend wirken viele Babys empfindlicher.

Helles Licht, laute Geräusche oder viele neue Eindrücke können dazu führen, dass dein Baby insgesamt unruhiger wird. Diese Unruhe wird oft fälschlicherweise ausschliesslich den Blähungen zugeschrieben.

Eine ruhige Umgebung kann deshalb helfen.

Zum Beispiel:

  • gedämpftes Licht

  • wenig Hintergrundgeräusche

  • sanftes Wiegen

  • ruhiges Sprechen

  • Hautkontakt.

Diese Massnahmen beseitigen die Blähungen zwar nicht direkt, können deinem Baby aber helfen, besser mit den Beschwerden umzugehen.


Helfen Kümmel, Fenchel oder Medikamente?

Viele Eltern greifen zu Tropfen, Kümmelzäpfchen oder pflanzlichen Präparaten.

Die wissenschaftliche Evidenz hierfür ist jedoch unterschiedlich.

  • Simeticon-Tropfen werden häufig eingesetzt, konnten in hochwertigen Studien jedoch keinen eindeutigen Nutzen zeigen.

  • Kümmelzäpfchen werden von einigen Eltern als hilfreich empfunden. Die wissenschaftliche Datenlage ist allerdings begrenzt.

  • Fencheltee sollte Säuglingen unter sechs Monaten grundsätzlich nicht routinemässig zusätzlich gegeben werden, da Muttermilch oder Säuglingsnahrung den Flüssigkeitsbedarf vollständig decken.

Sprich deshalb vor der Anwendung von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln immer mit deinem Kinderarzt oder deiner Kinderärztin.


Welche Massnahme hilft am besten?

Darauf gibt es leider keine allgemeingültige Antwort.

Jedes Baby reagiert unterschiedlich. Während das eine Baby durch den Fliegergriff sofort entspannter wird, hilft einem anderen eher eine Bauchmassage oder ruhiges Tragen.

Oft sind es nicht einzelne Massnahmen, sondern eine Kombination aus:

  • Geduld,

  • Nähe,

  • einer ruhigen Umgebung,

  • einer guten Trinktechnik

  • und etwas Zeit,

die die grösste Erleichterung bringt.

Vor allem solltest du wissen: Blähungen sind in den ersten Lebensmonaten meist ein vorübergehender Abschnitt der Entwicklung. Auch wenn diese Phase anstrengend sein kann, bessern sich die Beschwerden bei den meisten Babys mit zunehmender Reife des Verdauungssystems deutlich.


Was solltest du vermeiden?

Wenn dein Baby unter Blähungen leidet, möchtest du verständlicherweise alles versuchen, damit es ihm besser geht. Gerade deshalb kursieren im Internet, in sozialen Medien oder im Bekanntenkreis viele gut gemeinte Tipps. Nicht alle davon sind jedoch sinnvoll oder wissenschaftlich belegt.

Manchmal können zu viele verschiedene Massnahmen sogar zusätzlichen Stress für dich und dein Baby verursachen.


Nicht ständig neue Hausmittel ausprobieren

Wenn dein Baby weint, ist die Versuchung gross, jeden Tag etwas Neues auszuprobieren.

Heute hilft vielleicht eine Bauchmassage, morgen ein anderes Fläschchen und übermorgen ein neues Präparat aus der Apotheke.

Dadurch lässt sich jedoch kaum beurteilen, was tatsächlich hilfreich war. Gleichzeitig kann der häufige Wechsel dein Baby zusätzlich verunsichern.

Besser ist es, einzelne Massnahmen einige Tage konsequent anzuwenden und zu beobachten, wie dein Baby darauf reagiert.


Nicht jedes Weinen auf Blähungen schieben

Viele Eltern vermuten hinter jeder Unruhe sofort Blähungen.

Tatsächlich können Babys aus ganz unterschiedlichen Gründen weinen:

  • Hunger

  • Müdigkeit

  • Nähebedürfnis

  • Überreizung

  • eine volle Windel

  • Entwicklungsschübe

  • Zahnen (bei älteren Babys)

  • Krankheit.

Blähungen sind nur eine mögliche Ursache.

Deshalb lohnt es sich immer, das gesamte Verhalten deines Babys zu betrachten und nicht ausschliesslich auf den Bauch zu fokussieren.


Medikamente nicht ohne Rücksprache geben

Viele Präparate gegen Blähungen sind rezeptfrei erhältlich.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie notwendig oder wirksam sind.

Bevor du Medikamente, Tropfen oder Nahrungsergänzungsmittel gibst, solltest du Rücksprache mit deinem Kinderarzt oder deiner Kinderärztin halten.

Gerade bei sehr jungen Säuglingen gilt: Weniger ist oft mehr.


Die Ernährung der stillenden Mutter nicht unnötig einschränken

Ein weit verbreiteter Mythos lautet:

"Wenn die Mutter Kohl, Zwiebeln oder Hülsenfrüchte isst, bekommt das Baby Blähungen."

Dafür gibt es jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.

Viele stillende Mütter verzichten deshalb unnötig auf zahlreiche Lebensmittel und ernähren sich dadurch einseitiger.

Eine ausgewogene Ernährung ist sowohl für die Mutter als auch für das Baby wichtig.

Nur wenn ein konkreter medizinischer Verdacht auf eine Unverträglichkeit besteht, sollte gemeinsam mit einer Fachperson nach möglichen Auslösern gesucht werden.


Nicht ständig die Säuglingsnahrung wechseln

Auch Flaschennahrung wird häufig vorschnell als Ursache vermutet.

Viele Eltern wechseln deshalb mehrfach die Marke oder greifen zu Spezialnahrungen.

Ein häufiger Wechsel kann die Verdauung jedoch zusätzlich belasten und bringt meist keinen nachgewiesenen Vorteil.

Eine Umstellung sollte deshalb nur erfolgen, wenn sie medizinisch sinnvoll ist oder vom Kinderarzt empfohlen wird.


Keine übermässige Stimulation

Aus Sorge möchten manche Eltern ihr Baby ununterbrochen beruhigen:

  • ständig herumtragen

  • kräftig schaukeln

  • dauernd Bauch massieren

  • verschiedene Übungen hintereinander durchführen.

Dabei braucht dein Baby manchmal einfach auch Ruhe.

Sanfte Bewegungen und Körperkontakt sind sinnvoll. Zu viele Reize gleichzeitig können jedoch genau das Gegenteil bewirken.



Wann solltest du mit deinem Baby zum Kinderarzt?

Blähungen sind meist harmlos und verschwinden mit zunehmender Reife des Verdauungssystems von selbst.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen dein Baby ärztlich untersucht werden sollte.

Suche deinen Kinderarzt oder deine Kinderärztin auf, wenn:

  • dein Baby Fieber hat

  • es wiederholt oder schwallartig erbricht

  • Blut im Stuhl sichtbar ist

  • der Bauch dauerhaft stark gespannt und hart bleibt

  • dein Baby kaum noch trinken möchte

  • es ungewöhnlich schläfrig oder apathisch wirkt

  • es schlecht zunimmt oder Gewicht verliert

  • die Beschwerden plötzlich sehr stark auftreten

  • dein Bauchgefühl dir sagt, dass etwas nicht stimmt.

Du kennst dein Baby am besten.

Wenn dir etwas ungewöhnlich vorkommt, ist eine ärztliche Abklärung immer sinnvoll. Lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig.


Wann handelt es sich um einen Notfall?

Suche umgehend medizinische Hilfe, wenn dein Baby:

  • grünliches (galliges) Erbrechen zeigt,

  • einen stark aufgeblähten Bauch hat, der sich nicht entspannt,

  • kaum oder gar nicht mehr reagiert,

  • Krampfanfälle entwickelt,

  • Atemprobleme hat,

  • oder plötzlich sehr schwach wirkt.

Diese Beschwerden sprechen nicht für gewöhnliche Blähungen und müssen sofort abgeklärt werden.



Wann kann Kinderphysiotherapie helfen?

Kinderphysiotherapie kann Blähungen nicht heilen.

Sie kann jedoch eine wertvolle Unterstützung sein, wenn Beschwerden immer wieder auftreten oder weitere Auffälligkeiten hinzukommen.

Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf den Bauch, sondern auf das gesamte Baby.


Spannungen im Körper erkennen

Manche Babys zeigen eine erhöhte Körperspannung oder wirken insgesamt sehr steif.

Andere bevorzugen immer dieselbe Kopfseite oder bewegen sich asymmetrisch.

Solche Spannungsmuster können dazu führen, dass sich Babys beim Trinken oder Tragen weniger entspannen.

Die Kinderphysiotherapie beurteilt diese Bewegungsmuster und zeigt Möglichkeiten, wie dein Baby im Alltag besser unterstützt werden kann.


Trinkposition und Handling verbessern

Schon kleine Veränderungen beim Handling können einen Unterschied machen.

In der Therapie wird gemeinsam angeschaut:

  • wie dein Baby getragen wird,

  • welche Still- oder Flaschenposition angenehm ist,

  • wie unnötiges Luftschlucken reduziert werden kann,

  • welche Lagerungen im Alltag sinnvoll sind.

Oft erhalten Eltern praktische Tipps, die sich direkt zuhause umsetzen lassen.


Bauchmassage und Übungen richtig lernen

Viele Eltern kennen Bauchmassagen oder Fahrradbewegungen bereits aus dem Internet.

In der Kinderphysiotherapie wird gezeigt,

  • wie diese Übungen korrekt durchgeführt werden,

  • worauf geachtet werden sollte,

  • und welche Bewegungen zum Alter deines Babys passen.

Dadurch gewinnst du Sicherheit im Umgang mit deinem Baby.


Den Fliegergriff korrekt anwenden

Der Fliegergriff sieht einfach aus, wird jedoch häufig falsch ausgeführt.

In der Therapie lernst du:

  • wie dein Baby sicher getragen wird,

  • wie der Kopf optimal gestützt wird,

  • wie viel Druck auf den Bauch sinnvoll ist,

  • und wann diese Position geeignet ist.

So kannst du den Fliegergriff sicher in euren Alltag integrieren.


Beratung gibt Sicherheit

Mindestens genauso wichtig wie die Behandlung selbst ist die Beratung.

Viele Eltern sind nach einer Untersuchung erleichtert, wenn sie erfahren:

  • dass sich ihr Baby altersgerecht entwickelt,

  • dass Blähungen häufig vorkommen,

  • welche Massnahmen sinnvoll sind,

  • und welche Anzeichen tatsächlich ärztlich abgeklärt werden sollten.

Gerade diese Sicherheit hilft vielen Familien, den Alltag entspannter zu gestalten.

Wichtig: Kinderphysiotherapie ersetzt keine kinderärztliche Untersuchung. Sie ergänzt die medizinische Betreuung sinnvoll und unterstützt euch dabei, euer Baby im Alltag bestmöglich zu begleiten.

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Falls dein Baby neben Blähungen auch andere Beschwerden zeigt, könnten diese Artikel ebenfalls hilfreich sein:


Blähungen oder Bauchschmerzen? Wo liegt der Unterschied?

Viele Eltern verwenden die Begriffe Blähungen und Bauchschmerzen gleichbedeutend. Tatsächlich hängen beide oft zusammen, sie bedeuten jedoch nicht dasselbe.

Blähungen beschreiben zunächst einmal Luft oder Gase, die sich im Darm ansammeln. Diese Luft entsteht ganz natürlich während der Verdauung oder wird beim Trinken geschluckt.

Bauchschmerzen hingegen beschreiben das Symptom – also Schmerzen oder Unwohlsein im Bauch. Blähungen können Bauchschmerzen verursachen, müssen es aber nicht.

Ein Baby kann deshalb:

  • Blähungen haben, ohne Schmerzen zu zeigen.

  • Bauchschmerzen haben, obwohl keine Blähungen die Ursache sind.

  • Oder beides gleichzeitig erleben.

Deshalb ist es wichtig, nicht jedes Weinen automatisch auf Blähungen zurückzuführen.


Woran erkennst du eher Blähungen?

Folgende Anzeichen sprechen eher für Blähungen:

  • häufiges Pupsen

  • angespannter oder aufgeblähter Bauch

  • dein Baby zieht die Beine an

  • Beschwerden bessern sich nach dem Pupsen oder einem Stuhlgang

  • dein Baby wirkt zwischen den Episoden wieder entspannt.


Woran können Bauchschmerzen noch liegen?

Bauchschmerzen können viele verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem:

  • Verstopfung

  • Magen-Darm-Infekte

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

  • Kuhmilcheiweissallergie

  • Harnwegsinfekte

  • selten auch Erkrankungen, die rasch behandelt werden müssen.

Treten zusätzlich Fieber, Erbrechen, Blut im Stuhl oder eine Trinkverweigerung auf, solltest du dein Baby kinderärztlich untersuchen lassen.


Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel: Bauchschmerzen beim Baby. Ursachen, Tipps und Hilfe.



Wie entstehen Blähungen eigentlich?

"Woher kommt die Luft überhaupt?"

Stell dir den Darm wie einen langen, weichen Schlauch vor.

Während dein Baby trinkt und verdaut, gelangt auf zwei Wegen Luft beziehungsweise Gas in diesen Schlauch.


1. Geschluckte Luft

Beim Stillen oder Trinken aus der Flasche wird immer etwas Luft mitgeschluckt.

Normalerweise entweicht ein Teil davon als Bäuerchen.

Bleibt ein Teil der Luft im Verdauungstrakt, wandert sie weiter in den Darm.

Dort kann sie vorübergehend Druck verursachen.


2. Gase entstehen bei der Verdauung

Auch ohne geschluckte Luft entstehen Gase.

Im Darm leben Milliarden nützlicher Darmbakterien. Sie helfen dabei, Nahrung zu verdauen. Dabei entstehen ganz natürlich verschiedene Gase.

Das ist völlig normal, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Babys.

Da der Darm eines Säuglings jedoch noch unreif ist, können diese Gase manchmal langsamer weitertransportiert werden.

Dadurch sammelt sich Luft im Bauch an und das Baby fühlt sich unwohl.


Was sagt die Wissenschaft?

Eltern erhalten oft sehr unterschiedliche Empfehlungen. Manche schwören auf bestimmte Hausmittel oder Präparate, während andere davon abraten.

Was sagen wissenschaftliche Studien dazu?


Gut belegt

Die Forschung zeigt, dass sich die meisten Blähungen im Säuglingsalter mit der natürlichen Reifung des Verdauungssystems von selbst verbessern. Geduld und eine gute Begleitung der Eltern spielen deshalb eine zentrale Rolle.

Ebenfalls sinnvoll sind:

  • eine gute Trinktechnik beim Stillen oder mit der Flasche,

  • regelmässige Bäuerchen, wenn dein Baby sie benötigt,

  • ruhiges Tragen und Körperkontakt,

  • eine individuelle Beratung bei Unsicherheiten.


Begrenzte Evidenz

Für einige häufig empfohlene Massnahmen gibt es zwar positive Erfahrungsberichte, die wissenschaftliche Beweislage ist jedoch begrenzt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Bauchmassagen,

  • Wärme,

  • der Fliegergriff,

  • Fahrradbewegungen,

  • Kümmelpräparate.

Diese Methoden können einzelnen Babys durchaus guttun. Bisher konnte jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass sie Blähungen zuverlässig lindern.


Nicht vorschnell Medikamente einsetzen

Auch frei verkäufliche Mittel gegen Blähungen sollten nicht automatisch eingesetzt werden.

Viele Präparate werden seit Jahren verwendet, ihre Wirksamkeit konnte in hochwertigen Studien jedoch nicht eindeutig bestätigt werden.

Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, zunächst auf einfache, sanfte Massnahmen zu setzen und Medikamente nur nach Rücksprache mit einer medizinischen Fachperson einzusetzen.


Was empfehlen Kinderärzte und Fachgesellschaften?

Internationale Fachgesellschaften wie die European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) sowie die American Academy of Pediatrics (AAP) empfehlen bei gesunden Säuglingen mit Blähungen vor allem:

  • Eltern beruhigen und verständlich aufklären,

  • Warnzeichen erkennen und ausschliessen,

  • unnötige Diäten vermeiden,

  • unnötige Medikamente vermeiden,

  • eine gute Still- oder Fütterungstechnik fördern,

  • und das Baby ganzheitlich betrachten.

Diese Empfehlungen decken sich auch mit dem Ansatz der Kinderphysiotherapie: Nicht nur den Bauch behandeln, sondern das Baby, seine Entwicklung und den Familienalltag als Ganzes betrachten.



Häufige Fragen zu Blähungen beim Baby (FAQ)

Sind Blähungen beim Baby normal?

Ja. Blähungen gehören in den ersten Lebensmonaten bei vielen Babys zur normalen Entwicklung. Das Verdauungssystem ist noch unreif und muss sich erst an die Verarbeitung von Muttermilch oder Säuglingsnahrung anpassen. Zusätzlich lernen Babys erst, ihre Bauchmuskulatur und den Beckenboden richtig zu koordinieren. Solange dein Baby gut trinkt, ausreichend zunimmt und zwischen den unruhigen Phasen wieder entspannt wirkt, sind Blähungen meist kein Grund zur Sorge.


Wie lange dauern Blähungen beim Baby?

Es gibt keine feste Zeitspanne, die für alle Babys gilt. Häufig beginnen Blähungen in den ersten Lebenswochen und nehmen zwischen der sechsten und achten Lebenswoche zu. Bei vielen Babys bessern sich die Beschwerden bis zum dritten oder vierten Lebensmonat deutlich, weil das Verdauungssystem reifer wird. Manche Babys haben jedoch auch darüber hinaus gelegentlich Blähungen, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt.


Mein Baby pupst sehr viel – ist das schlimm?

Nein. Häufiges Pupsen ist meist sogar ein Zeichen dafür, dass die Luft den Darm wieder verlassen kann. Jedes Baby produziert unterschiedlich viele Gase. Solange dein Baby ansonsten gesund wirkt, normal trinkt und gut zunimmt, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. Erst wenn zusätzlich starke Schmerzen, Erbrechen, Fieber oder andere Warnzeichen auftreten, solltest du dein Baby ärztlich untersuchen lassen.


Helfen Kümmelzäpfchen oder Tropfen gegen Blähungen?

Viele Eltern berichten von guten Erfahrungen mit Kümmelzäpfchen oder bestimmten Tropfen. Die wissenschaftliche Evidenz ist jedoch begrenzt. Präparate mit Simeticon werden häufig eingesetzt, konnten in hochwertigen Studien aber keinen eindeutigen Nutzen zeigen. Das bedeutet nicht, dass sie keinem Baby helfen können, sondern dass ihre Wirkung bisher nicht zuverlässig nachgewiesen wurde. Sprich deshalb mit deinem Kinderarzt oder deiner Kinderärztin, bevor du Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel verwendest.


Darf ich mein Baby trotz Blähungen weiter stillen?

Ja. Stillen ist auch bei Blähungen die beste Ernährung für dein Baby. Muttermilch verursacht grundsätzlich keine Blähungen. Häufig spielen vielmehr Faktoren wie Luftschlucken oder die noch unreife Verdauung eine Rolle. Nur in seltenen Fällen steckt eine Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit dahinter. Deshalb solltest du deine Ernährung während der Stillzeit nicht vorsorglich stark einschränken, ohne dies mit einer Fachperson zu besprechen.


Welche Lebensmittel verursachen Blähungen beim Baby?

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme gibt es keine wissenschaftlich gesicherte Liste von Lebensmitteln, die über die Muttermilch automatisch Blähungen beim Baby verursachen. Die Gase, die beim Verdauen von Kohl oder Hülsenfrüchten im Darm der Mutter entstehen, gelangen nicht in die Muttermilch. Nur bei wenigen Babys besteht eine echte Unverträglichkeit oder Allergie, die ärztlich abgeklärt werden sollte. Eine ausgewogene Ernährung der Mutter ist deshalb in den meisten Fällen die beste Wahl.


Was hilft bei Blähungen in der Nacht?

Viele Babys haben besonders abends oder nachts mit Blähungen zu kämpfen. Eine ruhige Schlafumgebung, sanftes Tragen, Wärme oder eine leichte Bauchmassage können helfen, dein Baby zu beruhigen. Auch ein Bäuerchen nach der letzten Mahlzeit oder eine angenehme Schlafroutine können sinnvoll sein. Da jedes Baby unterschiedlich reagiert, lohnt es sich, verschiedene sanfte Massnahmen auszuprobieren und zu beobachten, was deinem Kind am besten guttut.


Wann sollte ich mit meinem Baby wegen Blähungen zum Kinderarzt?

Ein Arztbesuch ist sinnvoll, wenn dein Baby zusätzlich Fieber hat, schlecht trinkt, Gewicht verliert, wiederholt erbricht, Blut im Stuhl sichtbar ist oder der Bauch dauerhaft stark gespannt bleibt. Auch wenn dein Baby ungewöhnlich schläfrig wirkt oder sich kaum beruhigen lässt, sollte es untersucht werden. Vertraue dabei immer auch deinem Bauchgefühl. Wenn dir etwas ungewöhnlich vorkommt oder du unsicher bist, ist eine ärztliche Abklärung der richtige Schritt.



Fazit

Blähungen beim Baby sind in den ersten Lebensmonaten sehr häufig und in den meisten Fällen harmlos. Sie entstehen meist durch die noch unreife Verdauung, Luftschlucken beim Trinken oder die Entwicklung der Darmflora. Auch wenn die Beschwerden für dein Baby und für dich als Elternteil belastend sein können, bessern sie sich bei den meisten Kindern mit der Zeit von selbst.

Sanfte Massnahmen wie Wärme, eine Bauchmassage, der Fliegergriff oder ruhiges Tragen können deinem Baby helfen, sich wohler zu fühlen. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass nicht jedes Weinen automatisch durch Blähungen verursacht wird. Beobachte dein Baby immer als Ganzes und achte auf Warnzeichen, die ärztlich abgeklärt werden sollten.

Wenn du unsicher bist oder dein Baby immer wieder Beschwerden hat, musst du diese Situation nicht alleine bewältigen. Eine individuelle Beratung kann helfen, mögliche Ursachen besser einzuordnen und alltagstaugliche Lösungen zu finden.


Persönliche Unterstützung bei Blähungen beim Baby

Wenn dein Baby häufig unter Blähungen leidet oder du unsicher bist, unterstützen wir euch gerne mit einer individuellen Einschätzung in unserer Kinderphysiotherapie. Gemeinsam suchen wir nach möglichen Ursachen und zeigen dir alltagstaugliche Lösungen, die zu deinem Baby passen.

Dabei betrachten wir nicht nur den Bauch, sondern dein Baby als Ganzes – von der Trinkposition über das Handling bis hin zur Bewegungsentwicklung. Unser Ziel ist es, dir Sicherheit zu geben und euch den Alltag zu erleichtern.




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