Arthrose. Symptome und Therapie
Schmerzen beim Aufstehen, steife Gelenke nach einer Ruhepause oder Schwierigkeiten beim Treppensteigen können auf eine Arthrose hindeuten. Typisch ist, dass sich die Beschwerden je nach Belastung und Tagesform verändern. Manche Menschen haben trotz deutlich sichtbarer Gelenkveränderungen nur geringe Beschwerden, während andere im Alltag stark eingeschränkt sind.
Arthrose ist eine Erkrankung des gesamten Gelenks. Dabei verändern sich unter anderem der Gelenkknorpel, der darunterliegende Knochen und weitere Strukturen im und um das Gelenk. Besonders häufig betroffen sind Knie, Hüfte und Hände. Auch andere Gelenke können eine Arthrose entwickeln.
Die Behandlung richtet sich nicht allein nach einem Röntgenbild, sondern vor allem nach deinen Beschwerden, deiner Beweglichkeit und den Einschränkungen im Alltag. Bewegung und gezieltes Training spielen dabei eine wichtige Rolle. Je nach Situation können weitere konservative oder medizinische Behandlungen hinzukommen.

Inhaltsverzeichnis
Was ist Arthrose?
Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, bei der sich verschiedene Strukturen eines Gelenks verändern. Häufig wird dafür der Begriff „Gelenkverschleiss“ verwendet. Dieser Begriff greift jedoch zu kurz, weil Arthrose nicht einfach bedeutet, dass sich ein Gelenk durch Benutzung immer weiter abnutzt.
Ein gesundes Gelenk besteht aus mehreren Strukturen, die zusammenarbeiten. Die Gelenkflächen sind mit Knorpel überzogen. Dieser ermöglicht eine möglichst reibungsarme Bewegung und verteilt Belastungen innerhalb des Gelenks. Zusätzlich gehören unter anderem Knochen, Gelenkkapsel und Gelenkinnenhaut zum Gelenk. Je nach Gelenk kommen weitere Strukturen wie Menisken oder Bänder hinzu.
Bei einer Arthrose kann sich die Zusammensetzung und Struktur des Gelenkknorpels verändern. Gleichzeitig können Umbauprozesse im angrenzenden Knochen auftreten. Auch die Gelenkinnenhaut und andere Strukturen können beteiligt sein. Arthrose ist deshalb eine Erkrankung des gesamten Gelenks und nicht ausschliesslich eine Schädigung des Knorpels.
Bedeutet Arthrose, dass der Knorpel vollständig verschwunden ist?
Nein. Eine Arthrose kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Gerade in früheren Stadien ist der Gelenkknorpel nicht einfach vollständig verschwunden.
Im Verlauf können Knorpelveränderungen zunehmen und der Gelenkspalt kann sich verschmälern. Gleichzeitig können sich am Knochen sogenannte Osteophyten bilden. Das sind knöcherne Anbauten am Rand des Gelenks. Solche Veränderungen lassen sich teilweise auf Röntgenbildern erkennen.
Wie stark diese Veränderungen ausgeprägt sind, sagt jedoch nicht automatisch aus, wie stark deine Schmerzen sein müssen. Bildgebung und Beschwerden stimmen bei Arthrose nicht immer direkt miteinander überein. Deshalb sollte die Behandlung nicht allein von einem Röntgenbefund abhängig gemacht werden.
Ist Arthrose eine normale Alterserscheinung?
Das Risiko für Arthrose steigt mit zunehmendem Alter. Trotzdem ist Arthrose nicht einfach eine unvermeidbare Folge des Älterwerdens.
An ihrer Entstehung können mehrere Faktoren beteiligt sein. Dazu gehören beispielsweise frühere Gelenkverletzungen, bestimmte anatomische Voraussetzungen, wiederkehrende hohe Belastungen, genetische Faktoren und bei Knie und Hüfte auch ein erhöhtes Körpergewicht. Welche Faktoren eine Rolle spielen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
Das bedeutet auch: Ein Gelenk muss nicht möglichst wenig benutzt werden, um es vor Arthrose zu schützen. Regelmässige Bewegung gehört vielmehr zu den zentralen Bestandteilen im Umgang mit Arthrose. Entscheidend ist, Belastung und Leistungsfähigkeit sinnvoll aufeinander abzustimmen.
Ist Arthrose dasselbe wie Arthritis?
Nein. Die Begriffe bezeichnen unterschiedliche Vorgänge.
Bei Arthrose stehen strukturelle Veränderungen des Gelenks im Vordergrund. Entzündliche Prozesse können dabei zeitweise ebenfalls auftreten und Beschwerden verstärken.
Arthritis bezeichnet dagegen eine Entzündung eines Gelenks. Sie kann unterschiedliche Ursachen haben, beispielsweise eine rheumatische Erkrankung, Gicht oder eine Infektion. Eine deutliche Schwellung, Überwärmung oder Rötung eines Gelenks sollte deshalb nicht automatisch einer bekannten Arthrose zugeschrieben werden.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich Diagnostik und Behandlung je nach Ursache deutlich unterscheiden können.
Welche Symptome verursacht Arthrose?
Arthrose kann sich von Gelenk zu Gelenk unterschiedlich bemerkbar machen. Typisch sind Schmerzen, die bei Bewegung oder Belastung auftreten, sowie eine vorübergehende Steifigkeit des betroffenen Gelenks. Im weiteren Verlauf können Beweglichkeit und Belastbarkeit abnehmen.
Die Beschwerden entwickeln sich häufig über längere Zeit und können schwanken. Es gibt Phasen mit stärkeren Symptomen und Zeiten, in denen das Gelenk im Alltag kaum Probleme bereitet. Die Intensität der Schmerzen lässt deshalb nicht unmittelbar darauf schliessen, wie ausgeprägt die strukturellen Veränderungen im Gelenk sind.
Belastungsschmerzen
Ein häufiges Merkmal der Arthrose sind Schmerzen während oder nach körperlicher Belastung. Beim Knie können sie beispielsweise beim längeren Gehen, Treppensteigen oder Aufstehen auftreten. Bei einer Hüftarthrose machen sich Beschwerden unter Umständen beim Gehen oder bei längeren Belastungen bemerkbar. Sind die Hände betroffen, können Greifen, Öffnen von Flaschen oder andere Tätigkeiten mit den Fingern Beschwerden auslösen.
Welche Belastung Schmerzen verursacht, hängt vom betroffenen Gelenk und von der individuellen Belastbarkeit ab.
Schmerzen während einer Aktivität bedeuten dabei nicht automatisch, dass das Gelenk durch die Bewegung weiter geschädigt wird. Für die spätere Behandlung ist deshalb wichtig zu unterscheiden, welche Belastungen grundsätzlich sinnvoll sind und in welchem Umfang sie aktuell vertragen werden.
Anlaufschmerz und Steifigkeit nach Ruhe
Charakteristisch kann ein sogenannter Anlaufschmerz sein. Das Gelenk fühlt sich beispielsweise nach längerem Sitzen zunächst steif oder schmerzhaft an. Nach einigen Bewegungen können diese Beschwerden wieder nachlassen.
Auch am Morgen kann eine Gelenksteifigkeit auftreten. Bei einer typischen Arthrose ist diese häufig nur von kurzer Dauer. Eine länger anhaltende ausgeprägte Morgensteifigkeit kann dagegen ein Hinweis darauf sein, dass neben einer Arthrose auch andere Ursachen der Gelenkbeschwerden berücksichtigt werden sollten.
Eingeschränkte Beweglichkeit
Mit zunehmenden Beschwerden kann es schwieriger werden, ein Gelenk vollständig zu bewegen. Bei einer Hüftarthrose kann beispielsweise das Anziehen von Schuhen und Socken mühsamer werden. Bei einer Kniearthrose können das vollständige Beugen oder Strecken und damit Tätigkeiten wie Treppensteigen oder Aufstehen beeinträchtigt sein.
Bei einer Arthrose der Hände können feinmotorische Tätigkeiten und kräftiges Greifen erschwert sein.
Eine eingeschränkte Beweglichkeit entsteht nicht ausschliesslich durch Veränderungen innerhalb des Gelenks. Schmerzen können dazu führen, dass Bewegungen vermieden werden. Dadurch können Muskelkraft und Beweglichkeit zusätzlich abnehmen.
Schwellung und Veränderungen am Gelenk
Ein von Arthrose betroffenes Gelenk kann zeitweise geschwollen sein. Bei einer aktivierten Arthrose können entzündliche Vorgänge innerhalb des Gelenks die Beschwerden vorübergehend verstärken.
An den Fingergelenken können mit der Zeit auch sichtbare knöcherne Veränderungen entstehen. Welche äusseren Veränderungen auftreten, hängt stark vom betroffenen Gelenk und vom Verlauf der Arthrose ab.
Eine plötzlich auftretende starke Schwellung oder deutliche Überwärmung und Rötung sollte jedoch nicht vorschnell mit einer Arthrose erklärt werden. Dahinter können auch andere Gelenkerkrankungen stecken. Auf entsprechende Warnzeichen und die notwendige ärztliche Abklärung gehen wir später gesondert ein.
Schmerzen in Ruhe oder nachts
Arthrosebeschwerden sind häufig belastungsabhängig. Ruhe oder nächtliche Schmerzen können jedoch ebenfalls auftreten, insbesondere wenn die Beschwerden stärker ausgeprägt sind.
Solche Schmerzen sind für sich allein kein zuverlässiges Mass dafür, wie weit eine Arthrose fortgeschritten ist. Sie sollten im Zusammenhang mit dem gesamten Beschwerdebild beurteilt werden.
Neu auftretende oder ungewöhnlich starke Schmerzen, die sich nicht nachvollziehbar durch Belastung verändern, verdienen besondere Aufmerksamkeit. Das gilt insbesondere, wenn weitere Symptome hinzukommen. Diese Situationen werden im Abschnitt zur ärztlichen Abklärung genauer eingeordnet.
Welche Gelenke sind häufig von Arthrose betroffen?
Arthrose kann grundsätzlich an verschiedenen Gelenken entstehen. Besonders häufig sind Knie, Hüfte und bestimmte Gelenke der Hände betroffen. Die Beschwerden unterscheiden sich je nach Gelenk, weil Belastung und Bewegungsaufgaben im Alltag unterschiedlich sind.
Kniearthrose
Bei einer Kniearthrose, auch Gonarthrose genannt, können Schmerzen beim Gehen, Treppensteigen, Aufstehen oder bei längeren Belastungen auftreten. Manche Betroffene bemerken zudem eine eingeschränkte Beugung oder Streckung des Knies.
Welche Tätigkeiten Probleme verursachen, hängt nicht allein vom Gelenkbefund ab. Auch Muskelkraft, Beweglichkeit und die aktuelle körperliche Belastbarkeit beeinflussen, wie gut das Knie im Alltag funktioniert.
Hüftarthrose
Die Arthrose des Hüftgelenks wird als Coxarthrose bezeichnet. Typisch sind Schmerzen im Bereich der Leiste oder rund um die Hüfte. Beschwerden können teilweise auch in den Oberschenkel oder bis zum Knie ausstrahlen.
Im Alltag fällt eine Hüftarthrose häufig durch Schwierigkeiten bei Bewegungen auf, die eine grössere Hüftbeweglichkeit verlangen. Dazu können das Anziehen von Schuhen und Socken, das Einsteigen ins Auto oder längeres Gehen gehören.
Arthrose der Hände und Finger
An der Hand können unterschiedliche Gelenke betroffen sein. Häufig finden sich arthrotische Veränderungen an den Fingerendgelenken, den Fingermittelgelenken oder am Daumensattelgelenk.
Eine Arthrose des Daumensattelgelenks kann beispielsweise das kräftige Greifen, Drehen eines Schlüssels oder Öffnen eines Schraubverschlusses erschweren. An den Fingergelenken können neben Schmerzen und Steifigkeit mit der Zeit auch sichtbare knöcherne Veränderungen auftreten.
Arthrose an weiteren Gelenken
Auch andere Gelenke können arthrotische Veränderungen entwickeln. Dazu gehören beispielsweise das Schultergelenk, das obere und untere Sprunggelenk sowie Gelenke im Bereich des Fusses.
Beschwerden an einem Gelenk bedeuten jedoch nicht automatisch, dass eine Arthrose die Ursache ist. Schmerzen können unter anderem von Muskeln, Sehnen, Schleimbeuteln oder anderen Gelenkerkrankungen ausgehen. Die genaue Lokalisation und das Beschwerdemuster helfen deshalb bei der weiteren Einordnung.
Wie entsteht Arthrose?
Arthrose entsteht meist nicht durch eine einzelne Ursache. Vielmehr wirken verschiedene Faktoren über längere Zeit zusammen und verändern die Fähigkeit des Gelenks, Belastungen aufzunehmen und sich daran anzupassen.
Mechanische Belastung gehört grundsätzlich zum normalen Alltag eines Gelenks und ist nicht automatisch schädlich. Problematisch kann es werden, wenn Belastung und Belastbarkeit dauerhaft nicht zusammenpassen oder wenn das Gelenk durch bestimmte Voraussetzungen anfälliger für Veränderungen ist.
Alter
Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Arthrose zu entwickeln. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes ältere Gelenk zwangsläufig schmerzhaft oder behandlungsbedürftig wird.
Im Laufe des Lebens verändern sich unter anderem Knorpel, Knochen, Muskulatur und andere Gewebe. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Risikofaktoren hinzukommen. Das Alter ist deshalb ein wichtiger Einflussfaktor, aber nicht die alleinige Ursache einer Arthrose.
Frühere Verletzungen
Verletzungen eines Gelenks können das spätere Arthroserisiko erhöhen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Bandverletzungen, Knochenbrüche mit Beteiligung der Gelenkfläche oder Verletzungen des Meniskus.
Nach einer Verletzung können sich die mechanischen Bedingungen im Gelenk verändern. Auch deshalb sind eine angemessene Rehabilitation, der Wiederaufbau der Muskelkraft und eine schrittweise Rückkehr zu körperlicher Belastung wichtig.
Körpergewicht
Ein höheres Körpergewicht ist insbesondere bei Arthrose des Kniegelenks ein relevanter Risikofaktor. Dabei spielt nicht nur die zusätzliche mechanische Belastung eine Rolle. Fettgewebe ist biologisch aktiv und kann über verschiedene Stoffwechselprozesse ebenfalls Einfluss auf Gelenkstrukturen nehmen.
Das Körpergewicht sollte trotzdem nicht als alleinige Erklärung für eine Arthrose verwendet werden. Menschen mit Normalgewicht können ebenfalls erkranken und nicht jeder Mensch mit höherem Körpergewicht entwickelt eine Arthrose.
Anatomische Voraussetzungen und Gelenkbelastung
Die Form und Stellung eines Gelenks beeinflussen, wie Kräfte auf die Gelenkflächen verteilt werden. Bestimmte anatomische Veränderungen können dazu führen, dass einzelne Bereiche eines Gelenks stärker beansprucht werden.
Auch langjährige berufliche oder sportliche Belastungen können eine Rolle spielen, insbesondere wenn sehr hohe oder wiederkehrende Belastungen auf weitere Risikofaktoren treffen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Sport oder körperliche Arbeit grundsätzlich Arthrose verursachen. Normale Bewegung und angemessene körperliche Aktivität sind wichtige Bestandteile der Gelenkgesundheit.
Veranlagung und weitere Einflussfaktoren
Auch genetische Faktoren beeinflussen das Arthroserisiko. Besonders bei Arthrose der Hände kann eine familiäre Häufung beobachtet werden.
Darüber hinaus unterscheiden sich die Risikofaktoren je nach betroffenem Gelenk. Geschlecht, Stoffwechsel, frühere Erkrankungen und individuelle anatomische Voraussetzungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Arthrose lässt sich deshalb selten auf einen einzigen Auslöser zurückführen. Für die Behandlung ist häufig hilfreicher zu betrachten, welche beeinflussbaren Faktoren im konkreten Fall vorhanden sind und wie Belastbarkeit, Kraft und Funktion des betroffenen Gelenks verbessert werden können.
Wie wird Arthrose festgestellt?
Eine Arthrose kann häufig anhand der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung eingeordnet werden. Ein Röntgenbild ist nicht in jedem Fall notwendig. Entscheidend ist, ob das Beschwerdebild typisch ist oder ob Hinweise auf eine andere Ursache vorliegen.
Bei der Untersuchung wird unter anderem beurteilt, welches Gelenk betroffen ist, wann die Schmerzen auftreten, wie beweglich das Gelenk ist und welche Tätigkeiten im Alltag eingeschränkt sind. Auch frühere Verletzungen, Erkrankungen und der bisherige Verlauf der Beschwerden können für die Beurteilung relevant sein.
Ist bei Arthrose immer ein Röntgenbild notwendig?
Nein. Bei einem typischen Beschwerdebild kann eine Arthrose häufig klinisch festgestellt werden, ohne dass zunächst eine Bildgebung erforderlich ist.
Ein Röntgenbild kann sinnvoll sein, wenn die Beschwerden nicht eindeutig zuzuordnen sind, ein ungewöhnlicher Verlauf besteht oder das Ergebnis Einfluss auf weitere medizinische Entscheidungen haben könnte. Vor bestimmten operativen Eingriffen ist eine Bildgebung ebenfalls erforderlich.
Im Röntgen können beispielsweise eine Verschmälerung des Gelenkspalts, knöcherne Anbauten oder Veränderungen des gelenknahen Knochens sichtbar werden.
Der Röntgenbefund sollte jedoch immer zusammen mit den Beschwerden betrachtet werden. Deutliche Veränderungen im Bild können mit geringen Beschwerden einhergehen. Umgekehrt können relevante Schmerzen und Einschränkungen bestehen, obwohl die sichtbaren Veränderungen weniger ausgeprägt erscheinen.
Wann kommen MRT oder andere Untersuchungen infrage?
Eine Magnetresonanztomografie, kurz MRT, gehört bei einer typischen Arthrose normalerweise nicht zur routinemässigen Diagnostik. Sie kann jedoch sinnvoll sein, wenn eine andere Ursache der Beschwerden vermutet wird oder eine spezielle medizinische Fragestellung geklärt werden soll.
Auch Blutuntersuchungen dienen nicht dazu, eine gewöhnliche Arthrose direkt nachzuweisen. Sie können eingesetzt werden, wenn beispielsweise eine entzündlich rheumatische Erkrankung, Gicht oder eine andere Erkrankung als mögliche Ursache abgeklärt werden soll.
Welche Untersuchung tatsächlich notwendig ist, richtet sich deshalb nach dem individuellen Beschwerdebild und nicht allein nach dem Verdacht auf Arthrose.
Was hilft bei Arthrose?
Die Behandlung einer Arthrose richtet sich nach den Beschwerden, dem betroffenen Gelenk und den Einschränkungen im Alltag. Ziel ist nicht, einen Röntgenbefund zu behandeln, sondern Schmerzen zu reduzieren und Beweglichkeit, Kraft sowie körperliche Funktion möglichst gut zu erhalten oder zu verbessern.
Eine einzelne Therapie, die Arthrose dauerhaft beseitigt, gibt es derzeit nicht. Eine Operation ist jedoch ebenfalls nicht automatisch notwendig. Besonders bei Knie und Hüfte bilden Information, Bewegung und gezieltes Training die Grundlage der konservativen Behandlung.
Bewegung und gezieltes Training
Regelmässige körperliche Aktivität gehört zu den wichtigsten Massnahmen bei Arthrose. Ergänzend kann ein individuell angepasstes Trainingsprogramm sinnvoll sein, das beispielsweise Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer berücksichtigt.
Zu Beginn eines neuen Trainings können Beschwerden vorübergehend zunehmen. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Gelenk geschädigt wird. Belastung sollte so gewählt und angepasst werden, dass sie zur aktuellen Leistungsfähigkeit passt und langfristig regelmässiges Training möglich bleibt.
Welche Übungen konkret geeignet sind und wie sich die Belastung dosieren lässt, erklären wir im nächsten Kapitel.
Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Bei Menschen mit Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion insbesondere bei Knie und Hüftarthrose Beschwerden und körperliche Funktion positiv beeinflussen. Bereits eine Gewichtsabnahme kann einen Nutzen haben. Ein grösserer Gewichtsverlust kann bei geeigneten Personen mit stärkeren Verbesserungen verbunden sein.
Dabei geht es nicht darum, Gelenkbeschwerden allein auf das Körpergewicht zurückzuführen. Gewichtsmanagement ist eine mögliche Komponente der Behandlung und sollte mit Bewegung sowie weiteren individuell notwendigen Massnahmen kombiniert werden.
Medikamente gegen Arthroseschmerzen
Schmerzmittel können vorübergehend eingesetzt werden, wenn Schmerzen Bewegung, Training oder den Alltag deutlich erschweren. Welches Medikament infrage kommt, hängt unter anderem vom betroffenen Gelenk, von Begleiterkrankungen und von anderen Medikamenten ab.
Bei Kniearthrose können lokal aufgetragene entzündungshemmende Schmerzmittel, sogenannte topische NSAR, eine Möglichkeit sein. Wenn Medikamente zum Einnehmen notwendig werden, müssen mögliche Risiken für Magen, Nieren und Herz Kreislauf System berücksichtigt werden. Deshalb sollte die Auswahl insbesondere bei regelmässiger Einnahme ärztlich oder pharmazeutisch abgeklärt werden.
Medikamente ersetzen Bewegung und Training nicht. Sie können jedoch Teil eines umfassenderen Behandlungskonzepts sein.
Gelenkinjektionen
Kortison kann bei bestimmten Situationen direkt in ein Gelenk gespritzt werden. Eine solche Injektion kann Schmerzen zeitlich begrenzt lindern, ist jedoch keine dauerhafte Behandlung der Arthrose.
Bei anderen Gelenkinjektionen ist die wissenschaftliche Bewertung unterschiedlich. Hyaluronsäure wird beispielsweise häufig angeboten, die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen zeigen jedoch keinen verlässlich klinisch relevanten Nutzen für alle Betroffenen. Ob eine Injektion im individuellen Fall infrage kommt, sollte deshalb ärztlich besprochen werden.
Hilfsmittel
Hilfsmittel können sinnvoll sein, wenn sie eine konkrete Einschränkung ausgleichen oder den Alltag erleichtern. Dazu können je nach Situation beispielsweise ein Gehstock, bestimmte Orthesen oder Hilfsmittel für Tätigkeiten mit den Händen gehören.
Sie werden nicht bei jeder Arthrose benötigt. Entscheidend ist, ob das Hilfsmittel eine erkennbare funktionelle Aufgabe erfüllt und zur individuellen Situation passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Schmerzen und Einschränkungen trotz angemessener konservativer Behandlung erheblich bleiben, kann eine operative Behandlung geprüft werden. Bei fortgeschrittener Knie oder Hüftarthrose kann beispielsweise ein künstlicher Gelenkersatz infrage kommen.
Die Entscheidung für eine Operation wird nicht allein anhand eines Röntgenbildes getroffen. Relevant sind unter anderem die Stärke der Beschwerden, die Einschränkungen im Alltag, die bisherige Behandlung, mögliche Begleiterkrankungen sowie die persönlichen Ziele und Erwartungen.
Eine Operation ist damit eine mögliche Behandlungsoption bei entsprechender Situation, aber nicht automatisch der nächste Schritt nach der Diagnose Arthrose.
Bewegung und Übungen bei Arthrose
Bei Arthrose ist es in der Regel sinnvoller, das betroffene Gelenk angemessen zu bewegen und zu trainieren, als es dauerhaft zu schonen. Training kann Schmerzen reduzieren und die körperliche Funktion verbessern. Welche Übungen geeignet sind, hängt vom betroffenen Gelenk, der aktuellen Belastbarkeit und deinen persönlichen Zielen ab.
Ein allgemeines Übungsprogramm kann deshalb keine individuelle Untersuchung ersetzen. Besonders bei stärkeren Beschwerden kann es sinnvoll sein, Übungen zunächst physiotherapeutisch anzupassen.
Wie viel Belastung ist erlaubt?
Ein völlig schmerzfreies Training ist nicht immer notwendig. Leichte bis mässige Beschwerden während einer Übung können je nach Ausgangssituation tolerierbar sein. Entscheidend ist, wie das Gelenk auf die Belastung reagiert.
Werden die Schmerzen während des Trainings deutlich stärker, verändert sich die Bewegung stark oder bleiben die Beschwerden nach der Belastung ungewöhnlich lange verstärkt, sollte die Intensität reduziert werden. Das kann beispielsweise bedeuten, weniger Wiederholungen durchzuführen, den Bewegungsumfang anzupassen oder eine leichtere Übungsvariante zu wählen.
Eine starre Schmerzgrenze lässt sich nicht für alle Menschen mit Arthrose festlegen. Die Belastungssteuerung sollte deshalb individuell erfolgen.
Übung 1: Aufstehen vom Stuhl
Diese Übung trainiert vor allem die Muskulatur von Beinen und Hüfte und eignet sich besonders bei Beschwerden im Bereich von Knie oder Hüfte.
Ausgangsposition: Setze dich auf einen stabilen Stuhl. Stelle beide Füsse etwa hüftbreit auf den Boden.
Durchführung: Verlagere deinen Oberkörper leicht nach vorne und stehe kontrolliert auf. Setze dich anschliessend langsam wieder hin.
Dosierung: Beginne beispielsweise mit 8 bis 12 Wiederholungen. Wenn die Übung gut vertragen wird, kannst du die Anzahl schrittweise steigern oder mehrere Durchgänge durchführen.
Wichtig: Nutze bei Bedarf zunächst einen höheren Stuhl oder unterstütze dich leicht mit den Händen.
Ziel: Kräftigung der Bein und Hüftmuskulatur für alltägliche Bewegungen wie Aufstehen und Treppensteigen.
Übung 2: Knie im Sitzen strecken
Mit dieser Übung lässt sich die vordere Oberschenkelmuskulatur gezielt aktivieren.
Ausgangsposition: Setze dich aufrecht auf einen Stuhl und stelle beide Füsse auf den Boden.
Durchführung: Strecke ein Knie langsam, bis das Bein möglichst gerade ist. Senke den Fuss anschliessend kontrolliert wieder ab.
Dosierung: Führe etwa 8 bis 15 Wiederholungen pro Seite durch. Je nach Belastbarkeit können mehrere Durchgänge sinnvoll sein.
Wichtig: Bewege das Knie nur so weit, wie es angenehm und kontrolliert möglich ist.
Ziel: Verbesserung der Kraft und Kontrolle der Oberschenkelmuskulatur.
Übung 3: Seitliches Anheben des Beins
Die seitliche Hüftmuskulatur unterstützt die Stabilität von Becken und Bein beim Gehen und Stehen.
Ausgangsposition: Stelle dich aufrecht hin und halte dich bei Bedarf an einer stabilen Stuhllehne oder Arbeitsfläche fest.
Durchführung: Bewege ein Bein langsam zur Seite, ohne den Oberkörper auszuweichen. Führe das Bein anschliessend kontrolliert zurück.
Dosierung: Beginne mit etwa 8 bis 15 Wiederholungen pro Seite.
Wichtig: Die Bewegung muss nicht gross sein. Eine kontrollierte Ausführung ist wichtiger als die Bewegungshöhe.
Ziel: Kräftigung der seitlichen Hüftmuskulatur und Verbesserung der Stabilität beim Gehen.
Übung 4: Beweglichkeit des Kniegelenks
Wenn das Knie steif ist, kann eine einfache Bewegung im Sitzen helfen, den verfügbaren Bewegungsumfang regelmässig zu nutzen.
Ausgangsposition: Setze dich auf einen Stuhl und stelle den Fuss locker auf den Boden.
Durchführung: Ziehe den Fuss langsam unter den Stuhl zurück, sodass sich das Knie beugt. Schiebe ihn anschliessend wieder nach vorne und strecke das Knie so weit, wie es angenehm möglich ist.
Dosierung: Führe die Bewegung etwa 10 bis 15 Mal ruhig hintereinander aus.
Wichtig: Arbeite nicht mit starkem Druck gegen einen schmerzhaften Bewegungswiderstand.
Ziel: Erhalt oder Verbesserung der Kniebeweglichkeit.
Welche Bewegung eignet sich zusätzlich?
Neben gezielten Übungen ist allgemeine körperliche Aktivität sinnvoll. Gehen, Velofahren, Schwimmen oder Training im Wasser können je nach betroffenem Gelenk und persönlichen Vorlieben geeignete Möglichkeiten sein.
Es gibt nicht die eine Sportart, die für alle Menschen mit Arthrose am besten geeignet ist. Eine Aktivität sollte vor allem regelmässig durchführbar sein und zur individuellen Belastbarkeit passen. Wer bisher wenig aktiv war, kann mit kurzen Einheiten beginnen und Umfang sowie Intensität schrittweise steigern.
Bei einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden, einer neu auftretenden starken Schwellung oder einem ungewöhnlichen Schmerzverlauf sollte das Training angepasst und die Ursache bei Bedarf fachlich abgeklärt werden.
Physiotherapie bei Arthrose
Physiotherapie kann bei Arthrose sinnvoll sein, wenn Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit, Kraftverlust oder Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten bestehen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Versuch, strukturelle Veränderungen im Gelenk rückgängig zu machen. Ziel ist vielmehr, die vorhandene Belastbarkeit zu verbessern und Bewegungen im Alltag wieder sicherer und leichter zu ermöglichen.
Die Behandlung richtet sich deshalb nach deiner individuellen Situation. Zwei Menschen mit Arthrose im gleichen Gelenk können unterschiedliche Beschwerden und entsprechend unterschiedliche therapeutische Schwerpunkte haben.
Untersuchung und individuelle Behandlungsplanung
Zu Beginn wird beurteilt, welche Bewegungen Beschwerden verursachen und welche Funktionen eingeschränkt sind. Je nach betroffenem Gelenk können Beweglichkeit, Muskelkraft, Gleichgewicht, Gangbild und die Ausführung bestimmter Alltagsbewegungen untersucht werden.
Auch deine persönlichen Ziele sind relevant. Für eine Person kann längeres Gehen entscheidend sein, für eine andere das Treppensteigen, Arbeiten, Wandern oder die Rückkehr zu einer bestimmten Sportart.
Aus diesen Informationen lässt sich ein Behandlungsplan ableiten, der sich an deinen tatsächlichen Einschränkungen orientiert und im Verlauf angepasst werden kann.
Kraft und Belastbarkeit verbessern
Gezieltes Training ist ein zentraler Bestandteil der Physiotherapie bei Arthrose. Welche Muskelgruppen trainiert werden, hängt vom betroffenen Gelenk und den festgestellten Einschränkungen ab.
Dabei wird die Belastung schrittweise gesteigert. Übungen, die anfangs nur mit dem eigenen Körpergewicht möglich sind, können später beispielsweise durch zusätzliche Widerstände anspruchsvoller gestaltet werden.
Das Ziel besteht nicht darin, das Gelenk möglichst wenig zu belasten. Vielmehr soll die körperliche Leistungsfähigkeit so verbessert werden, dass alltägliche und gewünschte Aktivitäten besser bewältigt werden können.
Beweglichkeit erhalten oder verbessern
Wenn ein Gelenk an Beweglichkeit verloren hat, können aktive Bewegungsübungen und je nach Befund ergänzende manuelle Techniken eingesetzt werden.
Passive Behandlungen allein reichen jedoch in der Regel nicht aus. Manuelle Therapie kann bei bestimmten Menschen vorübergehend hilfreich sein, sollte aber sinnvoll mit aktivem Training verbunden werden.
Welche Beweglichkeit tatsächlich benötigt wird, hängt wiederum vom Alltag ab. Nicht jedes Gelenk muss einen theoretisch maximalen Bewegungsumfang erreichen, um im täglichen Leben gut zu funktionieren.
Belastungen im Alltag anpassen
Physiotherapie kann auch dabei helfen, einen sinnvollen Umgang mit wechselnden Beschwerden zu entwickeln. Dazu gehört beispielsweise, körperliche Aktivitäten vorübergehend anzupassen, ohne vollständig auf Bewegung zu verzichten.
Bei einer vorübergehenden Zunahme der Schmerzen kann es sinnvoll sein, Trainingsumfang oder Intensität kurzfristig zu reduzieren und danach schrittweise wieder zu steigern. Auf diese Weise lässt sich vermeiden, dass aus Angst vor Schmerzen immer mehr Aktivitäten aufgegeben werden.
Gleichzeitig geht es nicht darum, starke Beschwerden einfach zu ignorieren. Belastungssteuerung bedeutet, die Reaktion des Gelenks zu beobachten und das Training entsprechend anzupassen.
Wärme und Paraffinbad bei Arthrose der Hände
Bei Arthrose der Hände kann Wärme als ergänzende Massnahme angenehm sein, insbesondere wenn sich die Finger steif anfühlen oder Bewegungen zu Beginn schwerfallen. Eine Möglichkeit ist die Behandlung mit warmem Paraffin. Dabei werden Hände oder einzelne Gelenkbereiche für eine begrenzte Zeit gleichmässig erwärmt.
Ein Paraffinbad beseitigt die Arthrose nicht und ersetzt kein aktives Training. Die Wärmeanwendung kann jedoch vorübergehend dazu beitragen, Schmerzen und Steifigkeit zu reduzieren und Bewegungsübungen angenehmer zu machen.
Wie eine Paraffinbehandlung durchgeführt wird, wann sie sinnvoll sein kann und wann darauf verzichtet werden sollte, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag: Paraffin Therapie. Wirkung und Anwendung bei Schmerzen und steifen Gelenken
Was kann Physiotherapie bei Arthrose nicht leisten?
Physiotherapie kann Arthrose nicht heilen und verloren gegangenen Gelenkknorpel nicht zuverlässig wiederherstellen. Aussagen, wonach bestimmte Übungen oder Behandlungstechniken den Knorpel vollständig regenerieren oder eine Arthrose rückgängig machen können, sind deshalb nicht seriös.
Trotzdem können sich Schmerzen, Beweglichkeit, Kraft und Alltagsfunktion deutlich verändern, ohne dass strukturelle Veränderungen im Gelenk verschwinden müssen.
Der Erfolg einer Behandlung sollte deshalb nicht allein daran gemessen werden, wie ein Gelenk auf einem Röntgenbild aussieht. Für den Alltag ist vor allem relevant, was du wieder tun kannst und wie gut du mit den Beschwerden zurechtkommst.
Was solltest du bei Arthrose vermeiden?
Eine Arthrose bedeutet nicht, dass du das betroffene Gelenk möglichst wenig benutzen solltest. Dauerhafte Schonung kann dazu führen, dass Muskelkraft und körperliche Belastbarkeit abnehmen. Gleichzeitig ist es nicht sinnvoll, starke oder anhaltend zunehmende Beschwerden einfach zu ignorieren.
Das Ziel ist deshalb weder vollständige Schonung noch Belastung um jeden Preis. Sinnvoll ist eine Belastung, die zur aktuellen Leistungsfähigkeit passt und bei Bedarf angepasst werden kann.
Bewegung aus Angst vor Schmerzen vermeiden
Schmerzen bei Bewegung werden häufig als Zeichen dafür verstanden, dass das Gelenk weiter geschädigt wird. Bei Arthrose besteht jedoch kein einfacher Zusammenhang zwischen Schmerz und struktureller Schädigung.
Wer aus Angst vor Beschwerden immer weniger aktiv wird, verliert möglicherweise Kraft, Ausdauer und Bewegungssicherheit. Dadurch können alltägliche Tätigkeiten zunehmend anstrengend werden.
Statt Bewegung grundsätzlich zu vermeiden, sollte die Belastung angepasst werden. Bei stärkeren Beschwerden können beispielsweise Dauer, Intensität oder Umfang einer Aktivität vorübergehend reduziert werden.
Belastung zu schnell steigern
Auch ein grundsätzlich sinnvolles Training kann Beschwerden verstärken, wenn die Belastung zu schnell erhöht wird. Das gilt besonders nach längeren Phasen mit wenig Bewegung.
Steigere deshalb nicht gleichzeitig Trainingsdauer, Widerstand und Häufigkeit. Eine schrittweise Anpassung macht es leichter einzuschätzen, wie dein Gelenk auf die neue Belastung reagiert.
Wenn eine bestimmte Aktivität wiederholt zu einer deutlichen und länger anhaltenden Verschlechterung führt, sollte die Belastung angepasst werden. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass du diese Bewegung dauerhaft vermeiden musst.
Sich ausschliesslich auf passive Behandlungen verlassen
Wärme, manuelle Therapie oder andere passive Massnahmen können bei einzelnen Beschwerden ergänzend eingesetzt werden. Sie sollten jedoch nicht die einzige Strategie im Umgang mit Arthrose sein.
Langfristig spielen regelmässige Bewegung und individuell angepasstes Training eine zentrale Rolle. Passive Massnahmen sind deshalb vor allem dann sinnvoll, wenn sie ein konkretes Ziel unterstützen, beispielsweise Bewegung vorübergehend erleichtern.
Beschwerden dauerhaft selbst behandeln, ohne Veränderungen abklären zu lassen
Wenn bereits eine Arthrose bekannt ist, können neue Beschwerden leicht automatisch dem betroffenen Gelenk zugeschrieben werden. Nicht jeder neue Schmerz ist jedoch eine Folge der Arthrose.
Verändert sich das Beschwerdebild deutlich, treten neue Symptome hinzu oder passen die Beschwerden nicht mehr zum bisherigen Verlauf, sollte die Ursache erneut beurteilt werden. Besonders bei plötzlich starken Beschwerden kann eine andere Erkrankung oder Verletzung dahinterstecken.
Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?
Gelenkbeschwerden müssen nicht bei jedem Auftreten sofort ärztlich untersucht werden. Halten Schmerzen jedoch an, nehmen sie zu oder schränken sie deinen Alltag zunehmend ein, ist eine Abklärung sinnvoll. Das gilt auch, wenn bisher noch nicht geklärt wurde, ob tatsächlich eine Arthrose hinter den Beschwerden steckt.
Eine ärztliche Untersuchung ist zudem wichtig, wenn das Beschwerdebild nicht zu einem typischen Arthroseverlauf passt.
Zeitnahe ärztliche Abklärung
Lass Gelenkbeschwerden zeitnah beurteilen, wenn:
Schmerzen ohne erkennbare Ursache deutlich zunehmen
ein Gelenk wiederholt oder ausgeprägt anschwillt
eine deutliche Rötung oder Überwärmung auftritt
die Morgensteifigkeit ungewöhnlich lange anhält
mehrere Gelenke gleichzeitig neu Beschwerden verursachen
Fieber oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl hinzukommt
du ohne erkennbare Ursache Gewicht verlierst
Schmerzen nach einer Verletzung anhalten
die Beweglichkeit innerhalb kurzer Zeit deutlich abnimmt
Solche Beschwerden können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Dazu gehören beispielsweise entzündlich rheumatische Erkrankungen, Gicht oder Verletzungen.
Wann sollte ein Gelenk dringend untersucht werden?
Ein plötzlich stark schmerzendes, deutlich geschwollenes und überwärmtes Gelenk sollte rasch medizinisch abgeklärt werden. Besonders dringlich ist dies, wenn zusätzlich Fieber, Schüttelfrost oder ein deutliches Krankheitsgefühl auftreten. In seltenen Fällen kann eine bakterielle Gelenkinfektion dahinterstecken, die schnell behandelt werden muss.
Auch nach einem Unfall sollte eine rasche Untersuchung erfolgen, wenn das Gelenk nicht mehr belastet werden kann, eine deutliche Fehlstellung besteht oder starke Schmerzen und Schwellungen auftreten.
Neu auftretende Lähmungen, ausgeprägte Gefühlsstörungen oder andere neurologische Symptome benötigen ebenfalls eine zeitnahe medizinische Beurteilung.
Wann reicht eine reguläre Abklärung?
Wenn sich Gelenkschmerzen langsam entwickelt haben und hauptsächlich bei Belastung auftreten, kann zunächst eine reguläre ärztliche oder physiotherapeutische Beurteilung sinnvoll sein.
Dabei lässt sich einschätzen, ob das Beschwerdebild zu einer Arthrose passt, welche funktionellen Einschränkungen bestehen und welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen. Bei untypischen Befunden oder Hinweisen auf eine andere Erkrankung kann anschliessend eine weiterführende ärztliche Diagnostik erfolgen.
Wie entwickelt sich Arthrose im weiteren Verlauf?
Der Verlauf einer Arthrose lässt sich nicht allein anhand der Diagnose oder eines Röntgenbildes vorhersagen. Beschwerden können über längere Zeit relativ stabil bleiben, sich phasenweise verstärken oder wieder abnehmen. Eine Arthrose bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Schmerzen und Einschränkungen kontinuierlich zunehmen.
Auch strukturelle Veränderungen und persönliche Beschwerden entwickeln sich nicht zwingend parallel. Ein Gelenk kann im Röntgen deutliche Veränderungen zeigen und trotzdem im Alltag gut funktionieren.
Kann Arthrose geheilt werden?
Die bereits entstandenen strukturellen Veränderungen einer Arthrose lassen sich mit den derzeit verfügbaren Behandlungen nicht einfach rückgängig machen. Eine vollständige Heilung im Sinne eines wiederhergestellten ursprünglichen Gelenks ist deshalb in der Regel nicht möglich.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Beschwerden nicht verbessern können. Schmerzen, Kraft, Beweglichkeit und Belastbarkeit sind beeinflussbar. Auch mit bestehenden Gelenkveränderungen kann eine gute körperliche Funktion erreicht oder über längere Zeit erhalten werden.
Wird Arthrose zwangsläufig immer schlimmer?
Nein. Arthrose verläuft individuell. Bei manchen Menschen verändern sich Beschwerden und Gelenkstrukturen über Jahre nur wenig, bei anderen schreitet die Erkrankung deutlicher voran.
Für den Alltag ist deshalb weniger entscheidend, welchem vermeintlichen „Stadium“ die Arthrose zugeordnet wird. Wichtiger ist, welche Aktivitäten aktuell möglich sind, welche Einschränkungen bestehen und wie sich diese durch Behandlung und Training beeinflussen lassen.
Regelmässige Bewegung, ausreichende Muskelkraft und eine angemessene Belastungssteuerung können dazu beitragen, die körperliche Funktion möglichst lange zu erhalten.
Häufige Fragen zu Arthrose
Ist Wärme oder Kälte bei Arthrose besser?
Das hängt von deinen Beschwerden ab. Wärme wird häufig als angenehm empfunden, wenn ein Gelenk steif ist oder die umliegende Muskulatur verspannt wirkt. Bei einer vorübergehenden Reizung mit Schwellung kann Kälte angenehmer sein.
Entscheidend ist vor allem deine individuelle Reaktion. Wärme oder Kälte können Beschwerden kurzfristig beeinflussen, behandeln aber nicht die Ursache der Arthrose. Bei Arthrose der Hände kann beispielsweise ein Paraffinbad als ergänzende Wärmeanwendung infrage kommen.
Darf ich mit Arthrose Sport machen?
In den meisten Fällen ja. Körperliche Aktivität und gezieltes Training gehören zu den wichtigen Bestandteilen der Arthrosebehandlung. Welche Sportart geeignet ist, hängt vom betroffenen Gelenk, deiner Belastbarkeit, deinen bisherigen Erfahrungen und deinen persönlichen Zielen ab.
Auch höhere Belastungen müssen nicht grundsätzlich verboten werden. Wenn Beschwerden wiederholt deutlich zunehmen, sollte zunächst die Trainingsdosis überprüft und angepasst werden.
Ist Velofahren bei Kniearthrose sinnvoll?
Velofahren kann bei Kniearthrose eine geeignete Ausdaueraktivität sein. Der Bewegungsablauf ermöglicht wiederholte Kniebewegungen, während das Körpergewicht überwiegend vom Sattel getragen wird.
Sattelhöhe, Widerstand und Trainingsdauer sollten so eingestellt werden, dass die Bewegung gut kontrollierbar bleibt. Wenn das Knie beim Velofahren deutlich schmerzt, lohnt es sich, zunächst die Einstellungen und die Trainingsbelastung zu überprüfen.
Darf ich bei Arthrose Treppen steigen?
Treppensteigen ist bei Arthrose nicht grundsätzlich schädlich. Es verlangt jedoch vergleichsweise viel Kraft von der Beinmuskulatur und kann bei Knie oder Hüftarthrose Beschwerden auslösen.
Wenn Treppen aktuell schwierig sind, kann gezieltes Krafttraining helfen, diese Alltagsbewegung wieder besser zu bewältigen. Vorübergehend kann es sinnvoll sein, ein Geländer zu nutzen oder die Anzahl der Treppengänge zu reduzieren, statt Treppen dauerhaft vollständig zu vermeiden.
Welche Schuhe sind bei Arthrose sinnvoll?
Es gibt keinen bestimmten Schuh, der eine Arthrose heilen kann. Sinnvoll sind Schuhe, in denen du dich sicher und angenehm bewegen kannst und die zu deinen alltäglichen Aktivitäten passen.
Bei Beschwerden im Fuss, Sprunggelenk, Knie oder in der Hüfte kann es hilfreich sein, unterschiedliche Schuhe praktisch zu testen. Spezielle Einlagen oder Schuhzurichtungen sind nicht bei jeder Arthrose notwendig und sollten einen konkreten funktionellen Nutzen haben.
Helfen Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose?
Für zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel werden positive Wirkungen auf Gelenke oder Knorpel beworben. Für viele dieser Präparate ist ein klinisch relevanter Nutzen jedoch nicht zuverlässig nachgewiesen.
Nahrungsergänzungsmittel sollten deshalb nicht als Ersatz für wirksame Behandlungsmassnahmen betrachtet werden. Wenn du regelmässig Medikamente einnimmst oder andere Erkrankungen hast, solltest du auch frei verkäufliche Präparate wegen möglicher Wechselwirkungen vorher ärztlich oder pharmazeutisch abklären.
Kann sich Knorpel bei Arthrose wieder aufbauen?
Gelenkknorpel besitzt nur eine begrenzte Fähigkeit zur Regeneration. Es gibt derzeit keine konservative Behandlung, mit der sich ein durch Arthrose deutlich veränderter Gelenkknorpel zuverlässig vollständig wiederherstellen lässt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Behandlung erfolglos ist. Beschwerden und Gelenkfunktion können sich verbessern, obwohl strukturelle Veränderungen bestehen bleiben. Der Behandlungserfolg sollte deshalb nicht allein daran gemessen werden, ob sich Knorpel sichtbar verändert.
Brauche ich bei Arthrose irgendwann zwangsläufig ein künstliches Gelenk?
Nein. Eine Arthrosediagnose bedeutet nicht automatisch, dass später ein Gelenkersatz notwendig wird. Ob eine Operation infrage kommt, hängt wesentlich davon ab, wie stark Schmerzen und Einschränkungen sind und ob konservative Behandlungsmöglichkeiten ausreichend helfen.
Ein künstliches Gelenk wird vor allem dann erwogen, wenn die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt bleibt und andere angemessene Behandlungsmöglichkeiten nicht genügend Wirkung erzielen.
Kann ich trotz Arthrose weiterhin arbeiten?
In vielen Fällen ja. Ob Anpassungen notwendig sind, hängt von der betroffenen Körperregion und den beruflichen Anforderungen ab. Körperlich belastende Tätigkeiten können zeitweise schwieriger sein, müssen aber nicht automatisch aufgegeben werden.
Hilfreich kann sein, besonders belastende Arbeitsabläufe zu identifizieren und gezielt anzupassen. Gleichzeitig können Kraft und Belastbarkeit trainiert werden, damit berufliche Anforderungen möglichst gut bewältigt werden können.
Was kann ich bei einem vorübergehenden Arthroseschub tun?
Wenn ein bekanntes Gelenk vorübergehend stärker schmerzt, kann es sinnvoll sein, die Belastung für kurze Zeit zu reduzieren und anschliessend schrittweise wieder aufzubauen. Vollständige Ruhigstellung ist meist nicht notwendig.
Bei einer deutlichen Schwellung kann Kälte als angenehm empfunden werden. Ist die Verschlechterung ungewöhnlich stark, hält sie länger an oder kommen Rötung, starke Überwärmung, Fieber oder andere neue Symptome hinzu, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.
Fazit
Arthrose ist eine Erkrankung des gesamten Gelenks und bedeutet nicht automatisch, dass Schmerzen und Einschränkungen kontinuierlich zunehmen. Wie stark die Beschwerden sind, lässt sich zudem nicht allein anhand eines Röntgenbildes beurteilen.
Bewegung und gezieltes Training gehören zu den wichtigsten Bestandteilen der Behandlung. Je nach Beschwerden können Physiotherapie, Medikamente und weitere Massnahmen ergänzend sinnvoll sein. Entscheidend ist eine Behandlung, die sich an deiner aktuellen Belastbarkeit, deinen Einschränkungen und deinen persönlichen Zielen orientiert.
Neue, ungewöhnlich starke oder deutlich veränderte Gelenkbeschwerden sollten nicht automatisch einer bekannten Arthrose zugeschrieben werden. In solchen Situationen ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
Physiotherapie bei Arthrose in Baden
Arthrose kann sich bei jedem Menschen anders auf den Alltag auswirken. Deshalb schauen wir in der Physiotherapie nicht nur auf die Diagnose, sondern darauf, welche Bewegungen dir Schwierigkeiten bereiten und welche Aktivitäten du wieder besser bewältigen möchtest.
In unserer Physiotherapiepraxis in Baden untersuchen wir Beweglichkeit, Kraft und Funktion des betroffenen Gelenks und erstellen darauf aufbauend einen individuellen Behandlungsplan. Dabei kann gezieltes Training ebenso dazugehören wie die Anpassung von Belastungen im Alltag.
Bei Arthrose der Hände können ergänzend Wärmeanwendungen wie eine Paraffinbehandlung eingesetzt werden, sofern diese zu deinen Beschwerden und zum Behandlungsziel passen.
Wenn du aufgrund deiner Arthrose Schmerzen oder Einschränkungen im Alltag hast, kannst du einen Termin zur physiotherapeutischen Untersuchung und Behandlung bei uns in Baden vereinbaren.



