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Beckenschmerzen nach der Geburt. Was kann ich tun?

Beckenschmerzen während der Schwangerschaft, sind für viele Frauen verständlich, doch überraschend für die meisten, wenn diese selbst nach der Entbindung bestehen bleiben. Die Schwangerschaft ist vorbei, das Kind ist da.Trotzdem fühlt sich der eigene Körper noch instabil, schmerzhaft oder fremd an. Bewegungen, die früher selbstverständlich waren, wie Aufstehen, Gehen, Treppensteigen oder Tragen, können plötzlich unangenehm oder sogar schmerzhaft sein.


Viele Betroffene fragen sich, ob diese Beschwerden normal sind, ob sie von selbst wieder verschwinden oder ob man aktiv etwas dagegen tun sollte. Häufig wird abgewartet, geschont oder gehofft, dass sich der Körper „irgendwann wieder einrenkt“. Genau hier kann Physiotherapie einen entscheidenden Unterschied machen.


Beckenschmerzen nach der Geburt sind ernst zu nehmen, aber in den meisten Fällen gut behandelbar. Eine gezielte physiotherapeutische Betreuung hilft dabei, Schmerzen zu reduzieren, Stabilität aufzubauen und den Körper Schritt für Schritt sicher zurück in den Alltag zu begleiten.


Beckenschmerzen nach der Geburt Physiotherapie

Was sind Beckenschmerzen nach der Geburt?


Beckenschmerzen nach der Geburt bezeichnen Beschwerden im Bereich des Beckens, des unteren Rückens, der Schambeinfuge oder rund um das Kreuzbein. Die Schmerzen können einseitig oder beidseitig auftreten und sich unterschiedlich anfühlen – ziehend, stechend, dumpf, instabil, aber auch brennend.


Oft treten die Beschwerden nicht isoliert auf, sondern stehen in Verbindung mit Alltagsbewegungen. Besonders auffällig sind Schmerzen beim Gehen, beim Umdrehen im Bett oder beim Heben und Tragen des Babys. Manche Frauen beschreiben zusätzlich ein Gefühl, als würde das Becken „nicht richtig zusammenhalten“.


Wichtig zu wissen ist: Auch wenn die Geburt komplikationslos verlaufen ist, kann das Becken noch längere Zeit Unterstützung benötigen. Schwangerschaft und Geburt verändern den Körper stärker, als vielen bewusst ist.



Warum entstehen Beckenschmerzen nach der Geburt?


Die Ursachen für Beckenschmerzen nach der Geburt sind meist vielschichtig. Während der Schwangerschaft sorgt die hormonelle Umstellung dafür, dass Bänder und Gelenke beweglicher werden. Diese Anpassung ist notwendig, um die Geburt zu ermöglichen, führt aber gleichzeitig zu einer vorübergehenden Instabilität.


Nach der Geburt braucht der Körper Zeit, um wieder Stabilität aufzubauen. Wenn Muskeln, Bänder und Koordination noch nicht optimal zusammenspielen, kann es zu Überlastung kommen. Zusätzlich wirken neue Belastungen auf den Körper ein, etwa häufiges Tragen, Stillpositionen, Schlafmangel oder ungewohnte Bewegungsmuster.


Häufige Einflussfaktoren sind:


  • hormonell bedingte Bandlockerung

  • geschwächte Beckenboden- und Rumpfmuskulatur

  • Veränderungen der Körperhaltung

  • Geburtsverletzungen oder Kaiserschnitt

  • hohe Alltagsbelastung ohne ausreichende Regeneration


Diese Faktoren verstärken sich oft gegenseitig. Genau deshalb ist ein ganzheitlicher physiotherapeutischer Ansatz sinnvoll.



Wie äussern sich Beckenschmerzen im Alltag?


Beckenschmerzen nach der Geburt zeigen sich selten nur in Ruhe. Meist werden sie im Alltag deutlich spürbar. Viele Frauen berichten, dass sie sich in bestimmten Situationen unsicher oder eingeschränkt fühlen.


Typische Alltagssituationen, in denen Beschwerden auftreten, sind:


  • Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen

  • Umdrehen im Bett

  • Einbeinstand, zum Beispiel beim Anziehen

  • Treppensteigen

  • Längeres Gehen oder Stehen

  • Tragen des Babys oder der Babyschale


Diese Einschränkungen können nicht nur körperlich, sondern auch emotional belastend sein. Gerade in der Zeit nach der Geburt wünschen sich viele Frauen Stabilität und Vertrauen in den eigenen Körper.



Hilft Physiotherapie bei Beckenschmerzen nach der Geburt?


Ja, Physiotherapie hilft bei Beckenschmerzen nach der Geburt, wenn sie gezielt auf Stabilität, Muskelzusammenspiel und Alltagsbelastung ausgerichtet ist. Durch aktive Übungen, manuelle Techniken und alltagsnahe Anleitung können Schmerzen reduziert, Bewegungen sicherer gemacht und die Belastbarkeit des Beckens nachhaltig verbessert werden.


Physiotherapie betrachtet den Körper als Ganzes. Besonders nach der Geburt ist das Zusammenspiel von Beckenboden, Bauchmuskulatur, Rücken und Atmung entscheidend. Ziel ist es nicht, einzelne Muskeln isoliert zu trainieren, sondern funktionelle Stabilität im Alltag aufzubauen.



Was bringt Physiotherapie konkret?


Physiotherapie verfolgt bei Beckenschmerzen nach der Geburt mehrere Ziele. Es geht nicht um Leistung oder schnelles „Wieder-Fit-Sein“, sondern um nachhaltige Belastbarkeit.


Zu den wichtigsten Effekten gehören:


  • Reduktion von Schmerzen im Becken- und Rückenbereich

  • Verbesserung der Becken- und Rumpfstabilität

  • Unterstützung der Beckenbodenfunktion

  • Sicherere Bewegungen im Alltag

  • Mehr Vertrauen in den eigenen Körper


Viele Patientinnen berichten, dass sie sich durch die Therapie nicht nur körperlich stabiler fühlen, sondern auch mental entlastet sind. Das Wissen, was im eigenen Körper passiert, nimmt Unsicherheit und Angst.



Ablauf der Physiotherapie in der Praxis


In unserer Praxis in Baden beginnt jede Behandlung mit einer ausführlichen Befunderhebung. Dabei geht es nicht nur um die Schmerzen selbst, sondern auch um Deinen Alltag, Deine Geburtserfahrung und Deine aktuelle Belastung.


Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei werden Haltung, Beweglichkeit, Kraft, Koordination und das Zusammenspiel von Beckenboden und Rumpf beurteilt. Auf dieser Basis wird ein individueller Therapieplan erstellt.


Die Behandlung kann unter anderem beinhalten:


  • aktive Stabilisations- und Koordinationsübungen

  • gezielte Anleitung für Alltagsbewegungen

  • manuelle Therapie zur Entlastung von Gelenken und Gewebe

  • Elemente aus der Beckenbodentherapie

  • Beratung zu Tragen, Stillpositionen und Pausen


Wenn ein Praxisbesuch aktuell schwierig ist, bieten wir auch Hausbesuche an. Diese sind möglich in Baden, Wettingen, Neuenhof, Ennetbaden, Spreitenbach sowie in Oberrohrdorf und Niederrohrdorf. Auch in der Region Basel, zum Beispiel in Pratteln, Kaiseraugst oder Liestal, sind Hausbesuche realisierbar.



Bedeutung der Beckenbodentherapie


Der Beckenboden spielt bei Beckenschmerzen nach der Geburt eine zentrale Rolle. Dabei geht es nicht nur um Kraft, sondern vor allem um Koordination und Entspannung.


Ein Beckenboden kann zu schwach, aber auch zu angespannt sein. Beides kann Schmerzen begünstigen. In der Beckenbodentherapie lernst Du, diesen Muskelbereich bewusst wahrzunehmen, gezielt einzusetzen und im Alltag sinnvoll zu integrieren.


Die Beckenbodentherapie ist kein isoliertes Training, sondern Teil eines ganzheitlichen physiotherapeutischen Konzepts.



Wissenschaftlicher Hintergrund


Studien zeigen, dass Beckenschmerzen und Beckengürtelschmerzen nach der Schwangerschaft häufig auftreten und ohne gezielte Therapie teilweise lange bestehen bleiben können. Forschungsergebnisse belegen, dass aktive, individuell angepasste Physiotherapie wirksamer ist als reine Schonung oder Abwarten.


Besonders effektiv sind laut Studien:


  • gezieltes Stabilisationstraining

  • funktionelles Beckenbodentraining

  • alltagsnahe Bewegungsanleitung


Entscheidend ist dabei die Regelmässigkeit und Anpassung an die individuelle Belastbarkeit der Frau.



Was Du selbst im Alltag beachten kannst


Neben der Therapie können kleine Anpassungen im Alltag viel bewirken. Wichtig ist, den Körper nicht zu überfordern, aber auch nicht komplett zu schonen.


Hilfreich sind unter anderem:


  • symmetrisches Tragen mit regelmässigem Seitenwechsel

  • bewusstes Aufstehen über die Seite

  • kurze Belastungsphasen mit Pausen

  • Vermeiden von Bewegungen „durch den Schmerz hindurch“


Diese Hinweise ersetzen keine Therapie, unterstützen aber den Heilungsprozess deutlich.



Fazit


Beckenschmerzen nach der Geburt sind häufig, belastend und werden oft unterschätzt. Sie sind jedoch kein Zustand, den man einfach hinnehmen muss. Physiotherapie bietet eine wirksame Möglichkeit, Schmerzen zu lindern, Stabilität aufzubauen und den Körper sicher in den Alltag zurückzuführen.


Mit gezielter Physiotherapie, individueller Betreuung und alltagsnahen Übungen lassen sich Beckenschmerzen nach der Geburt in den meisten Fällen deutlich verbessern.


Wenn Du unter Beckenschmerzen nach der Geburt leidest und Dir professionelle Unterstützung wünschst, melde Dich gerne bei uns.



 
 
 

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